Atmosphärisch, clever konstruiert und mit einigen richtig guten Wendungen, für mich aber mit deutlichen Längen
Hope's End hat es mir zunächst gar nicht so leicht gemacht. Das Setting im abgelegenen Herrenhaus und die düstere, gruselige Atmosphäre mochte ich sehr. Gerade kleine Details wie die Blutflecken, die Jahrzehnte später noch auf dem Teppich zu sehen sind, haben für mich richtig gut funktioniert. Trotzdem habe ich mich gerade durch die erste Hälfte teilweise ziemlich durchgebissen.Dabei brauche ich in einem Thriller weder Action noch ständig neue Ereignisse. Die Atmosphäre mochte ich wirklich gerne, aber sie allein hat für mich nicht ausgereicht, um die Spannung über das ganze Buch zu tragen. Dafür hätte ich mir zwischendurch mehr psychologische Spannung und ein stärkeres Katz-und-Maus-Spiel gewünscht. Vieles besteht zunächst aus Gesprächen, Kits Alltag mit Lenora und dem langsamen Aufdecken der Vergangenheit, wodurch das Buch für mich einige deutliche Längen hatte.Umso stärker fand ich, was Sager aus der Geschichte gegen Ende noch herausholt. Die Handlung ist erstaunlich vielschichtig und clever konstruiert, viele Fäden werden zusammengeführt und einige Wendungen habe ich überhaupt nicht kommen sehen. Andere Puzzleteile konnte ich mir dagegen schon vorher zusammenreimen, was ich bei einem Thriller sogar mag. Schließlich macht genau das für mich den Reiz am Miträtseln aus.Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Enthüllungen etwas gleichmäßiger über das Buch verteilt gewesen wären. Nach dem langsamen Aufbau kommt irgendwann sehr viel auf einmal und manches wird eher erzählt als nach und nach aufgedeckt. Dadurch wirkt die Geschichte stellenweise nicht nur clever, sondern fast ein bisschen zu konstruiert.Auch mit den Figuren bin ich nicht ganz warm geworden. Kit war mir teilweise sogar eher unsympathisch und auch Lenora hat mich als Figur nicht besonders gepackt. Mein Highlight waren deshalb eindeutig das Setting, die Atmosphäre und die Frage, was damals in Hope's End wirklich passiert ist.Insgesamt trotzdem ein richtig guter Thriller mit einer überraschend ausgeklügelten Geschichte und einigen starken Plot-Twists. Für mich hätte er nur früher mehr Spannung entwickeln und seine Enthüllungen etwas besser über die Geschichte verteilen dürfen. Kein neuer Thriller-Favorit, aber definitiv 4 Sterne.