Ein solider und sehr flüssig zu lesender Thriller, der mich gut unterhalten hat.
Ich bin direkt gut in die Geschichte reingekommen und fand sie von Anfang an spannend genug, um immer weiterlesen zu wollen. Der Schreibstil liest sich wieder sehr flüssig.Gut gefallen haben mir auch die zwei Perspektiven. Neben der bekannten Ermittlerperspektive von Elin sind wir dadurch viel näher an einer der Gästegruppen dran. Gerade die Beziehungen und Dynamiken innerhalb dieser Gruppe stehen ziemlich im Vordergrund und bekommen so nochmal eine ganz andere Bedeutung, als wenn wir die Geschichte nur aus Elins Sicht erlebt hätten.Etwas viel waren mir allerdings die vielen Figuren und verschiedenen Zeitebenen. Gerade weil Personen aus drei unterschiedlichen Zeitspannen relevant werden, musste ich zwischendurch doch immer wieder überlegen, wer jetzt eigentlich wer war. An manchen Stellen hätte ich mir außerdem gewünscht, dass die emotionalen Reaktionen mehr Raum bekommen. Teilweise passieren wirklich heftige Dinge und die betroffenen Personen wirken dafür erstaunlich gefasst.Im Vergleich zu Das Sanatorium fand ich die eigentliche Geschichte hier besser. Das ähnliche Grundkonzept mit dem abgelegenen, von der Außenwelt abgeschnittenen Ort hat mich überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil, davon hätte ich gerne noch mehr gespürt. Denn genau dieses beklemmende Gefühl, das Das Sanatorium für mich so stark gemacht hat, kam auf der Retreat Insel leider kaum auf.Zum Ende hin wird es deutlich actionreicher. Verfolgungen und Kampfszenen sind allerdings einfach nicht mein Ding und ziehen sich für mich schnell. Ich mag bei Thrillern psychologische Spannung und das Miträtseln deutlich lieber und wollte irgendwann eigentlich nur noch endlich die Auflösung erfahren. Wirklich gut miträtseln konnte ich hier leider auch nicht. Dafür war das Ende immerhin nicht schon früh vorhersehbar. Der ganz große Plot Twist oder Wow Moment war es für mich aber ebenfalls nicht.Etwas unglaubwürdig fand ich außerdem die Polizeiarbeit. Angesichts der zunehmend bedrohlichen Situation konnte ich einfach nicht nachvollziehen, dass so wenig Unterstützung zur Verfügung steht. Auch Elins Verhalten als Ermittlerin war für mich nicht immer ganz schlüssig.Insgesamt hat Das Retreat für mich nichts, was besonders heraussticht, aber ich habe es trotzdem gerne und sehr flüssig gelesen. Einige Fragen bleiben außerdem wieder offen, sodass ich definitiv neugierig auf den dritten Band bin.