Der Kriminalroman Schneeblind von Ragnar Jónasson entführt die Leser in ein abgelegenes isländisches Dorf, das während eines harten Winters nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Die Geschichte begleitet den jungen Polizisten Ari, der seinen ersten Dienstposten in dieser kleinen, eingeschneiten Gemeinde antritt und dort in einen mysteriösen Todesfall hineingezogen wird.Besonders gelungen ist die atmosphärische Darstellung des Schauplatzes. Jónasson beschreibt die kühle, oft verschlossene Art der nördlichen Charaktere sehr überzeugend und vermittelt damit ein authentisches Bild der Menschen in dieser abgeschiedenen Region. Auch die ländliche Umgebung wird anschaulich und lebendig geschildert. Der Leser kann sich die engen Straßen, die schneebedeckten Häuser und die isolierte Lage des Dorfes gut vorstellen. Zudem wird das raue Winterwetter nahezu fühlbar - Schnee, Dunkelheit und Kälte tragen stark zur dichten Stimmung des Romans bei und verstärken das Gefühl der Isolation.Allerdings weist die Handlung auch einige Schwächen auf. Die Szenen wechseln teilweise sehr schnell, wodurch die Übergänge manchmal abrupt wirken. Dadurch entsteht stellenweise ein sprunghafter Eindruck der Geschichte. Ähnlich verhält es sich mit den Figuren: Mit Ausnahme des Hauptcharakters Ari bleiben viele Nebenfiguren relativ blass, da sie nur wenig eingeführt oder beschrieben werden. Dies erschwert gelegentlich den Überblick über die Beziehungen zwischen den Charakteren und erschwert die finale Auflösung, die zwar einen kurze "Aha" Effekt auslöst, bis dato jedoch wenig zusammenhängend nachvollziehbar ist.Trotz dieser Kritikpunkte bietet Schneeblind insgesamt eine solide und atmosphärische Krimiunterhaltung. Wer eine spannende, winterliche Geschichte mit nordischem Flair sucht, findet hier eine kurzweilige Lektüre für einige unterhaltsame Stunden.