Der Versuch einer germanistischen Betrachtung, deren steifer und rarer Humor auch wegen umgangssprachlicher Diktion auf der Strecke bleibt!
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sei erwähnt, dass ich mir von diesem Buch mehr erhofft hatte, nämlich dass es die Intention der Autorin in die Tat umsetzt und folglich in der Lage ist, mich davon zu überzeugen, dass die deutsche Sprache eben nicht den Bach runtergeht, wie viele es behaupten, sondern dass sie sich lediglich - wie schon seit Jahrhunderten - wandelt. Was ich dann aber gelesen habe, hat diese Hoffnung zwar nicht im Keim erstickt, sie aber schlussendlich auf Sparflamme gesetzt, was weniger an den Inhalten liegt, sondern vielmehr daran, wie diese präsentiert werden.Vor allem zu Beginn, bei intensiven, gleichwohl interessanten, aber leider ziemlich trockenen Ausführungen zum Thema Germanistik und dazu, was eigentlich Deutsch ist, warum es sich wandelt und wie es sich im Laufe der Geschichte bereits gewandelt hat, ist das Lesen - auch aufgrund der germanistisch, sprachlich und historisch sehr ausführlich referierten Details - unerwartet anstrengend, wenngleich lehrreich und belehrend, und lange nicht so unterhaltsam, wie man es von einer Kabarettistin hätte erwarten dürfen.Vielleicht stolpere ich auch deshalb immer wieder über die Bemerkung, dass dieses oder jenes "lustigerweise" so oder auch anders ist, dass manches als "leider unglaublich lustig" oder "fast witzig" bezeichnet wird. Humor sollte sich dem Leser jedoch selbsttätig zeigen und bedarf, wenn er gut ist, keiner Erklärung durch solch eingestreute Worte, die versuchen, vermeintlich Lustiges als solches deutlich zu machen. Das Gelesene ist sehr selten wirklich lustig. Skurril mag manches sein, vielleicht auch paradox oder zuweilen widersprüchlich, aber lustig geht massiv anders, um mal den Jargon der Autorin zu bemühen.Dieses Buch befasst sich wohlgemerkt u.a. mit Grammatik und lässt die Leserinnen und Leser dann doch über seltsame Satzbau- und Ausdrucksweisen sowie fehlerhafte Orthografie und Wortschöpfungen stolpern, bei denen "insgesamt" mit "insgesamter" und "gut" mit "guter" nicht existierende Komparative bekommen und "deutscherereren" sogar noch eine Verballhornung der Steigerung erfährt?! Es tut mir leid, aber all das ist dermaßen aufgesetzt, dass der Humor mal wieder auf der Strecke bleibt.Eben dieser erhoffte Humor, der sich anfangs noch in der Analyse und den Absurditäten der Sprachentwicklung zumindest rudimentär äußert, scheitert allzu oft schon im Ansatz, wenn nämlich seltsame Wortschöpfungen geradezu aufgesetzt wirken. Offensichtlich bewusst gewählte Umgangssprache, die eher erzwungen witzig statt tatsächlich humorvoll anmutet, macht es nicht wirklich besser, was mich summa summarum an der Qualität dieses Buches zweifeln lässt.Wenn ich beispielsweise lese "ich weiß nicht, wies euch geht", dann frage ich mich, ob mit dieser falschen Schreibweise nun erneut Umgangssprache Eingang in den Text findet. Oder nimmt die Autorin hier vielmehr eine von ihr erhoffte Vereinfachung der Sprache vorweg? Soll eine solche Wortkreation womöglich witzig sein? Statt über Witziges zu lachen, empfinde ich manches als albern; anstelle einer notwendigen Toleranz, die die Autorin selbst erwartet, wird munter kategorisiert und typisiert; und als es später im Buch nicht mehr um die Sprache an sich geht, sondern um die Menschen, die sie verwenden, wirkt das Gelesene wiederholt überheblich.Nicht, dass ich falsch verstanden werde: mir ist durchaus bewusst, dass die Autorin Germanistik studiert hat und sowohl als Lehrerin als auch als Kabarettistin tätig ist, aber wenn man ein so kontrovers diskutiertes Thema wie die sich wandelnde und angeblich vor die sprichwörtlichen Hunde gehende deutsche Sprache wissenschaftlich-humoristisch erörtern und bewerten will, dann braucht es eine ausgewogenere Darlegung und vor allem ein sprachlich angemesseneres Niveau.Was also ist dieses Buch für mich? Weder Fisch noch Fleisch?! Es wirkt auf mich wie eine unausgewogene Mischung aus einer ausgiebigen Reflexion über ein Sprachstudium und darauffolgenden Ansichten über die Nutzung der Sprache und ihren Wandel inkl. aufgesetzt wirkendem Humor (oder sollte ich hier anstelle des eher umgangssprachlichen Dativs den eleganteren Genitiv retten und "inkl. aufgesetzt wirkenden Humors" schreiben?).Ich bedaure, dass das Buch einen so inhomogenen Eindruck auf mich gemacht hat, und ich hätte es schon ob der Informationen zur Entwicklung der Sprache gerne besser - die Autorin würde hier wohl "guter" schreiben - bewertet, aber was danach kam, beispielsweise in Bezug auf das Gendern, jene und solche Politik, meinungsspaltende und -bildende Sprachverbote und erst recht bezüglich des Versuchs einer Schlichtung zwischen all den Streitenden erreicht das gesetzte Ziel leider nicht.