Die Kombination von fiktiven und realen Elementen kann man nur als meisterhaft beschreiben ...
Das ist ja mal ein Krimi, der nicht nur seinem Genre gerecht wird, sondern zugleich einige aktuelle wie kontrovers diskutierte Themen (Stichwort: Willensfreiheit) mitverarbeitet. Und zwar auf eine Weise, die es dem Leser erlaubt, seinen eigenen diesbezüglichen Ansichten und Haltungen einen frischen Anstrich zu geben. Das alles geschieht sehr schlüssig und sehr elegant, dass es eine Freude macht, sich nicht nur einer spannenden Geschichte zu überlassen, sondern auch in die gegensätzlichen Haltungen von aktueller Forschung und religiösen Vorstellungen einzutauchen.Als wäre das nicht schon Inhalt genug, wird zusätzlich ein Stück Ost-West-Vergangenheitsbewältigung betrieben - auch hier spielt der unterschiedlich verstandenen Freiheitsbegriff eine zentrale Rolle. RAF und Stasi bilden dabei den Rahmen, die Erziehungsmethoden in sogenannten Jugendwerkshöfen lassen erschaudern. Dies, und noch einiges mehr, läuft in der zentralen Figur des Krimis, des Kriminalkommissars Anton Glauberg, zusammen und wird hier aus unterschiedlichen Perspektiven gespiegelt. Der bestialische Mord an einer Prostituierten gibt dabei den Evolutionsbiologen auf der einen wie den christlichen Fundamentalisten auf der anderen Seite das erforderlich Argumentationsmaterial. Die Kombination von fiktiven und realen Elementen kann man nur als meisterlich beschreiben. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, eine "kleine Gehirnkunde" vor sich zu haben: "'Neurologisch betrachtet ist das Gehirn ein Netzwerk interagierender Nervenzellen, in dem die Naturgesetze gelten. Für so etwas wie Gott, Dämonen oder den freien Willen ist da kein Platz.'" (29.1.2022)