Ein krönender Abschluss - ein Muss für alle Fans
Wer die Krimiserie um Kommissar Gereon Rath verfolgt und liebgewonnen hat, wird den 10. und letzten Band mit einer Träne in den Augen geschlossen haben. Volker Kutscher hatte angekündigt, er möchte die Serie nicht durch den Krieg führen. Verständlich. Doch am Ende blieb vieles offen: Rath ging zurück nach Amerika, Charly blieb in Berlin. Das Aus einer Ehe? Und was wird aus Fritze, was aus dem Bruder von Gerion, was aus den Kommissaren? Im Vorwort berichtet M. Kayser, wissenschaftliche Hilfskraft vom Historischen Seminar der Universität Köln, dass er die Auswertung und Transkription der Aufnahmen des im Nachlass des emeritierten Professors Hans Singer auswertet, zwei C-60-Tonbandkassetten eines Interviews, die er nun abhört.Wer wissen möchte, wie die Geschichte um die Protagonisten der Rath-Serie letztendlich ausgeht, der wird in diesem kleinen Buch alles erfahren. Berlin-Westend, 1973 - Der Privatdozent Hans Singer besucht den 74-jährigen Kriminalkommissar a.D. Gereon Rath im Seniorenheim, weil er über die Arbeit der Berliner Polizei im Wechsel der politischen Systeme forscht. Insbesondere die Polizistenmorde am Bülowplatz 1931 und zwei damals steckbrieflich gesuchte Männer interessieren den Historiker. Denn die haben später im Staatsapparat der DDR eine steile Karriere gemacht: Honecker und Mielke.Die Fans von Gerion Rath lernen ihn von einer anderen Seite kennen. Er sagt nicht unbedingt immer die Wahrheit, behauptet, er wäre nach seiner Flucht immer in den USA geblieben, hätte Charlotte nie mehr gesehen, erst wieder zur Beerdigung seiner Mutter nach dem Krieg. Und sie sei davon ausgegangen, sie sei Witwe. Verständlich, man muss nicht alles erzählen. Doch zum Unbehagen Raths nimmt das Gespräch eine überraschende Wendung. Singer weiß bestens in allen Einzelheiten über Raths Vergangenheit Bescheid, er kennt die alten Kollegen, ja sogar seine Exfrau. Und er macht ihm eindeutig klar, dass er weiß, dass Rath nicht die Wahrheit sagt. Hans Singer tritt ihm auf die Zehen, ganz fest, denn da ist eine Sache, die Rath gestehen soll, Ereignisse, die sich 1953 in Ostberlin zugetragen haben und bei denen auch die Morde von 1931 eine Rolle spielten.Kutscher lässt Revue passieren. Rath war aus den USA zurückgekehrt, hat für die Amerikaner gearbeitet, geholfen, die Polizei neu aufzubauen. Nachkriegsgeschichte, die Teilung Deutschlands und Berlins in Ost und West. Und wenn man glaubt, es gibt lediglich eine Aufzählung, was aus den Protagonisten geworden ist, dann kennt man Kutscher nicht. Interessante, überraschende Wendungen warten auch hier auf den Lesenden. Wir lernen Rath von einer anderen Seite kennen - verstrickt in einen Verrat. Volker Kutscher erzählt von Eifersucht, Rache, Spionage, einer Tragödie, Lügen und Illusionen; alte Nazis mutieren im Osten zu Sozialisten. Kat Menschik hat das Interview herrlich illustriert. Für die von Kat Menschik gestaltete Reihe Lieblingsbücher schrieb Volker Kutscher bereits die Bestseller Moabit (2017) und Mitte (2021) - Bücher, die den Helden seiner berühmten Krimi-Reihe gewidmet sind. Nach dem Buch für Charly und dem für Fritze Thormann erscheint nun das Buch Westend für Gereon Rath. Für Gereon Rath - Fans ist das Buch ein Muss! Eine prima Geschenk-Idee.Kat Menschik ist freie Illustratorin. Ihre Reihe Lieblingsbücher gilt als eine der schönsten Buchreihen der Welt. Zahlreiche von ihr ausgestattete Bücher wurden prämiert. Zuletzt erschienen: Junge aus West-Berlin, Lieblingsmärchen und Westend. Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln und Berlin. Mit "Der nasse Fisch" (2007), dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Gereon Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem neun weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für die von Tom Tykwer produzierte internationale Fernsehproduktion Babylon Berlin.