Eine Mischung aus Spannung und gut verpackten gesellschaftsrelevanten Information - sauber recherchiert (auf Website des Autors nachzulesen)
Dieses Mal also ein Thema mitten aus der Gesellschaft (dubiose Geschäftspraktiken von Immobilienhaien auf der einen und mehr oder weniger hilflose Mieter auf der anderen Seite), gepaart mit aktuellen Ereignissen ("Coronapandemie") und mit einem Tatort außerhalb Stuttgarts: mitten in Berlin. Das kann ja nur ein Bestseller werden! Das mag auch der Verlag gedacht haben und flugs die Gunst der Stunde nutzend zum ersten Mal der Taschenbuchausgabe eine Hardcover-Ausgabe vorausgeschickt. (Wohl bekommts.)Laut Nachwort ("Finden und Erfinden") war zunächst beschlossen worden (von ZDF, Produzenten und Autor), einen "Film auf der Basis dieses noch (unfertigen) Buches zu drehen." Doch Corona torpedierte dieses Vorhaben. Die drehbuchartige Schreibweise scheint allerdings bei diesem Dengler-Fall oft durch: überwiegend einfach konstruierte Sätze im überschaubaren Handlungsrahmen, die den eigenen Kopf nur hin und wieder fordern, beispielsweise bei der Zuordnung von Personen und Institutionen. Bei manchen historischen Personen wird der Klarnamen verwendet (z.B. Otto Schily oder Attila Hildmann), bei anderen sind sie leicht zuzuordnen. Wenn zum Beispiel von einem Holger May die Rede ist, kann in dem dargestellten Zusammenhang unschwer auf Friedrich Merz geschlossen werden, dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von Blackrock (und aktuell einer der Bewerber um den CDU-Vorsitz), die hier als Blackhill in Erscheinung treten. Bei einem gewissen Hans-Peter Meesen fällt einem recht schnell der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, ein, zumal die Charakterisierung dieser Person keinen Zweifel zulässt.Der leicht und flüssig zu lesenden teilweise mit Cliffhangern versehenen Handlungsfolgen, tun der Spannung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Hierdurch wird Raum geschaffen für die Darstellung von Hintergrundinformationen, die geschickt in die Story eingestreut wurden. So finden wir hier nicht nur die Schilderung von dem Immobiliengeschehen in der Bundeshauptstadt, mit Themen wie Mitpreisexplosion, kalte Entmietung bzw. Entmietung durch Verwahrlosung und Mietendeckel, um nur einige zu nennen. Sondern auch Informationen über Verschwörungstheorien, Impfgegner sowie Anthroposophen und nicht zuletzt über die Auswirkungen von Corona. Auch "Denglers zehnter Fall" ist also eine Mischung aus Spannung und Information. Wer einige der Dengler-Fälle bereits kennt, wird auch hier nicht enttäuscht werden. Erstleser werden überrascht sein, dass man in einem Krimi auch gesellschaftliche relevante Informationen gut verpackt präsentiert kann - und diese nicht auf tönernen Füßen stehen, da die Fakten sauber recherchiert wurden. Die entsprechenden Hintergrundinformationen kann man auf der Homepage des Autors nachlesen.(8.11.2020)