Starker Start und grandios gelesen, aber je länger die Geschichte läuft, desto konstruierter und vorhersehbarer wird sie leider.
"Fake" von Arno Strobel hatte für mich eigentlich alles, was ich bei einem Psychothriller spannend finde: ein aktuelles Thema, eine beklemmende Ausgangssituation und vor allem die Frage, wem oder was man überhaupt noch glauben kann. Gerade am Anfang hat mich die Geschichte deshalb auch richtig gepackt. Patrick gerät immer tiefer in eine Situation, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt, und als Hörer weiß man selbst lange nicht so richtig, was eigentlich wahr ist und was nicht.Das Hörbuch wird, wie von Arno Strobels Büchern gewohnt, von Sascha Rotermund gelesen und für mich passt seine Stimme einfach perfekt zu diesen Geschichten. Er liest angenehm ruhig, schafft es aber trotzdem, den spannenden Szenen das nötige Tempo zu geben. Dadurch war das Hörbuch für mich auch dann noch angenehm zu hören, als mich die Handlung selbst nicht mehr ganz so überzeugen konnte.Denn leider hat sich meine anfängliche Begeisterung irgendwann etwas gelegt. Vielleicht habe ich inzwischen einfach zu viele Thriller gelesen, aber ab ungefähr der Hälfte hatte ich zunehmend eine Ahnung davon, in welche Richtung das Ganze laufen könnte. Zwar gibt es zum Ende hin noch einige Wendungen, die ich so nicht unbedingt erwartet hatte, allerdings werden diese für meinen Geschmack ziemlich schnell abgehandelt. Gerade hier hätte ich mir gewünscht, dass sich Strobel etwas mehr Zeit nimmt.Mein größeres Problem war allerdings die Logik hinter einigen Entwicklungen. Die Grundidee rund um manipulierte Videos, Bilder und Tonaufnahmen finde ich gerade in der heutigen Zeit extrem spannend. Auch dieses Gefühl, dass Patrick Stück für Stück der Boden unter den Füßen weggezogen wird und plötzlich niemand mehr weiß, was echt ist, funktioniert zunächst richtig gut. Irgendwann wurde es mir aber einfach zu konstruiert.Besonders die Ermittlungen konnte ich teilweise nicht mehr richtig ernst nehmen. Es wird sich extrem auf das belastende Videomaterial eingeschossen, während andere klassische Ermittlungsmöglichkeiten gefühlt kaum eine Rolle spielen. Gerade bei einem möglichen Mord habe ich mich mehrfach gefragt, warum beispielsweise DNA-Spuren oder andere forensische Beweise so wenig thematisiert werden. Nur weil ein Video existiert, das möglicherweise sogar manipuliert sein könnte, verschwinden solche Beweise ja nicht plötzlich. Dadurch hat die Geschichte für mich leider einiges an Glaubwürdigkeit verloren.Dazu kommt, dass ab einem gewissen Punkt sehr viel geredet, hinterfragt und die eigene Unschuld beteuert wird, während mir tatsächlich etwas Handlung gefehlt hat. Die anfängliche Beklemmung wurde dadurch immer weniger und einige Entwicklungen wirkten auf mich irgendwann eher wie notwendige Schritte, um Patrick genau dorthin zu bringen, wo die Geschichte ihn für ihr Ende braucht.Trotzdem ist "Fake" definitiv kein schlechter Thriller. Das Thema ist aktuell und grundsätzlich richtig interessant gewählt, der Einstieg macht neugierig und als Hörbuch funktioniert die Geschichte allein durch Sascha Rotermund nochmal ein Stück besser. Für mich konnte das Buch das Niveau der ersten Hälfte aber leider nicht bis zum Schluss halten. Gerade weil die Ausgangsidee so viel Potenzial hatte, hätte ich mir eine etwas glaubwürdigere und weniger konstruierte Umsetzung gewünscht.