Spannend und gut durchdacht, für mich aber etwas zu sehr ¿Das Wesen 2.0¿ und dadurch leider auch an einigen Stellen vorhersehbar.
Witziger Zufall: Ich hatte erst vor Kurzem "Das Wesen" von Arno Strobel gelesen und dann "Ungelöst - Die erste Zeugin" als Hörbuch angefangen, ohne vorher überhaupt groß zu schauen, worum es geht (mag den Autor, da schaue ich nicht mehr so genau). Umso überraschter war ich, als mir plötzlich einige Figuren bekannt vorkamen und ich gemerkt habe, dass ich mir mehr oder weniger unbewusst eine Art Fortsetzung ausgesucht hatte. Da ich bei "Das Wesen" schon etwas zwiegespalten war, war ich natürlich gespannt, ob mich diese Geschichte mehr packen kann.Cold Cases mit den Fähigkeiten eines eidetischen Gedächtnisses zu verbinden, hat für mich total viel Potenzial und war letztendlich auch einer der Punkte, die mich an der Geschichte am meisten interessiert haben. Auch die beiden Hauptfiguren mochte ich gerne. Generell haben mir sowohl die Hauptakteure als auch die Nebencharaktere gut gefallen. Sie waren sympathisch und so beschrieben, dass ich relativ schnell ein Gefühl für sie bekommen habe.Trotzdem hatte ich beim Hören ein ähnliches Problem wie schon bei "Das Wesen": Mir hat einfach ein bisschen die Spannung gefehlt. Die Geschichte ist keineswegs langweilig und ich wollte auch wissen, wie der Fall am Ende aufgelöst wird, aber dieser richtige Sog ist bei mir nicht entstanden. Es gab nicht dieses typische "Okay, ein Kapitel geht noch", beziehungsweise beim Hörbuch "Ich höre jetzt doch noch ein bisschen weiter". Gerade von einem Thriller wünsche ich mir aber genau dieses Gefühl.Dabei ist die Handlung eigentlich geschickt aufgebaut. Man bekommt immer wieder neue Informationen, kann selbst miträtseln und durch die verschiedenen Wendungen verändern sich die eigenen Vermutungen immer wieder. Auch die Auflösung fand ich nachvollziehbar und insgesamt gut konstruiert. Trotzdem blieb die Spannung für mich eher auf einem konstanten Level, anstatt sich immer weiter zu steigern. Mir haben einfach diese richtig intensiven Momente gefehlt, bei denen man unbedingt sofort wissen möchte, was als Nächstes passiert.Etwas stutzig gemacht hat mich außerdem der Handlungsstrang rund um die Aachener Ermittler. Dass sie sich untereinander gegenseitig verdächtigen, fand ich teilweise etwas merkwürdig. Dafür, dass sie standardmäßig zusammenarbeiten, hatte ich stellenweise das Gefühl, dass sie sich erstaunlich schlecht kennen. Vielleicht ist das aber auch bewusst so angelegt und wird in den nächsten Teilen der Reihe noch eine größere Rolle spielen. Gerade weil es sich um einen Reihenauftakt handelt, kann ich mir gut vorstellen, dass wir über die Figuren und ihre Beziehungen untereinander noch einiges erfahren werden.Ich habe "Ungelöst - Die erste Zeugin" als Hörbuch gehört und würde diese Variante definitiv empfehlen. Dietmar Wunder macht einen richtig guten Job und seine Stimme passt für mich hervorragend zum Thriller-Genre. Die Lesung schafft eine passende Atmosphäre und hat für mich definitiv dazu beigetragen, dass ich gerne weitergehört habe.Insgesamt ist "Ungelöst - Die erste Zeugin" für mich ein solider Thriller mit einer wirklich gelungenen Grundidee, sympathischen Figuren und einem gut konstruierten Fall. Gleichzeitig hat mir, ähnlich wie schon bei "Das Wesen", einfach dieser letzte Funke Spannung gefehlt. Ich war interessiert und wollte die Auflösung wissen, aber komplett gepackt hat mich die Geschichte nicht. Trotzdem bin ich neugierig auf die weiteren Teile, vor allem weil ich wissen möchte, wie sich die Figuren und ihre Dynamik untereinander noch entwickeln. Für mich deshalb gute 4 von 5 Sternen.