Vieles wirkt zu konstruiert und zusammengestückelt, keine Empfehlung
Die Ausgangslage hatte für mich zunächst einiges zu bieten: Katia und Marcel möchten eigentlich nur ein ruhiges Wochenende verbringen, doch nachdem ihr Gepäck an einer Raststätte gestohlen wird, beginnt eine Suche, die schnell eine völlig andere Richtung einschlägt. Ein GPS-Tracker führt sie schließlich zu einem Ort, an dem alles zunehmend merkwürdig und bedrohlich wirkt. Aus dem geplanten Kurztrip wird ein Albtraum.Gerade der Einstieg hat mir noch gut gefallen. Die Idee, einer Spur zu folgen und dabei davon auszugehen, einem Rätsel Schritt für Schritt näherzukommen, während man möglicherweise längst genau dorthin geführt wird, wo man landen soll, fand ich durchaus spannend. Auch atmosphärisch konnte die Geschichte anfangs bei mir punkten. Es gab immer wieder diese unangenehme, unterschwellige Bedrohung, die sich besonders im Hörbuch gut entfalten konnte.Leider konnte mich die Handlung mit zunehmender Dauer immer weniger erreichen. Was zunächst nach einem spannenden Mystery-Thriller klang, entwickelte sich für mich zu einer Ansammlung von Ereignissen, bei denen ich irgendwann kaum noch nachvollziehen konnte, wie die einzelnen Elemente eigentlich zusammengehören. Es kamen immer neue Puzzleteile hinzu, doch anstatt daraus ein stimmiges Gesamtbild entstehen zu lassen, hatte ich zunehmend das Gefühl, dass die Teile einfach irgendwie nebeneinandergesetzt wurden. Die Geschichte stagnierte zusehends.Seltsame Situationen, merkwürdige Dialoge und immer wieder sehr brutale Momente bestimmten den weiteren Verlauf. Vieles davon wirkte auf mich nicht mehr spannend oder verstörend, sondern schlicht absurd. Die eigentliche Thematik hinter dem Ganzen blieb mir dabei ebenfalls weitgehend verborgen. Selbst gegen Ende hatte ich nicht das Gefühl, wirklich verstanden zu haben, worauf die Geschichte eigentlich hinauswollte.Noch schwieriger wurde es für mich durch die Figuren. Zu den Charakteren, insbesondere zu Marcel, konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen. Statt mit ihm mitzufiebern, entwickelte ich zunehmend eine Abneigung gegen ihn - und irgendwann war mir ehrlich gesagt egal, was mit ihm geschieht. Ich fand auch das Töten der anderen Personen völlig sinnlos.Besonders ermüdend fand ich außerdem das permanente Spiel mit Informationen. Immer wieder wissen Figuren offensichtlich mehr, sagen es aber nicht. Es wird etwas angedeutet, jemand stellt eine Frage - und statt einer nachvollziehbaren Antwort folgt die nächste Ausflucht oder ein weiteres Geheimnis.Hinzu kamen Reaktionen und Entscheidungen der Figuren, die ich häufig nicht nachvollziehen konnte. Dadurch verloren die Charaktere für mich zunehmend an Glaubwürdigkeit. Statt mich auf die Geschichte einzulassen, habe ich immer häufiger darüber nachgedacht, warum jemand gerade so handelt oder warum eine bestimmte Situation überhaupt auf diese Weise abläuft.Und genau das war letztlich mein größtes Problem mit dem Buch: Ich konnte nicht in diese Geschichte eintauchen. Für mich gehört es zum Lesen oder Hören dazu, für einige Stunden in eine andere Welt abzutauchen und sich auf die Handlung einzulassen. Hier ist mir das überhaupt nicht gelungen. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger hat sie mich interessiert. Ich war mehr als geneigt, dieses sinnlose Hörbuch abzubrechen.Leider konnte mich Sascha Rotermund diesmal nicht so erreichen, wie ich es von ihm gewohnt bin. Seine Stimme höre ich nach wie vor gerne, aber selbst seine Erzählweise konnte die Geschichte für mich nicht mehr auffangen.Am Ende bleibt bei mir vor allem Enttäuschung zurück. Ich bin mit einer interessanten Ausgangsidee gestartet und hatte zunächst tatsächlich Hoffnung auf einen atmosphärischen und ungewöhnlichen Thriller. Leider hat sich diese Hoffnung im Verlauf immer weiter verflüchtigt. Zu viele Dinge wirkten für mich konstruiert, unverständlich oder einfach nicht passend, sodass ich irgendwann emotional komplett aus der Geschichte ausgestiegen bin.FazitEine interessante Ausgangsidee, eine zunächst beklemmende Atmosphäre und ein Sprecher, dessen Stimme ich eigentlich sehr gerne mag, das war es dann aber auch schon. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger konnte ich nachvollziehen, worauf sie eigentlich hinaus will. Für mich wirkte vieles zu konstruiert und zusammengestückelt, während die Figuren und ihre Handlungen zusätzlich dafür sorgten, dass ich jede Verbindung zur Geschichte verlor.Am Ende bleibt deshalb eine sehr nüchterne Bewertung: Dieses Hörbuch hat mich nicht nur enttäuscht, sondern lässt mich tatsächlich darüber nachdenken, ob ich künftig noch einmal zu einem neuen Buch des Autors greifen werde.