Vidars Leben ist gehörig aus dem Gleichgewicht geraten. Nach einem Vorfall an seiner Schule wird er suspendiert und findet sich plötzlich in einer Situation wieder, in der er gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ausgerechnet eine alte Telefonnummer führt ihn dabei zu seinem verstorbenen Vater und zu einem ganz bestimmten Tag im Jahr 1986. Mit jedem weiteren Anruf taucht Vidar tiefer in seine Kindheit ein. Was zunächst wie eine faszinierende Möglichkeit wirkt, wird zunehmend zu einer gefährlichen Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Die Idee hinter dieser Geschichte hat mich sofort gepackt. Mit dem Telefon eine Verbindung zu einem längst vergangenen Tag herstellen zu können, ist gleichzeitig faszinierend und unheimlich. Besonders spannend fand ich die Frage, was man mit einer solchen Möglichkeit anfangen würde, wenn man plötzlich die Vergangenheit noch einmal erreichen könnte. Würde man nur zuhören oder irgendwann versuchen, Dinge zu verändern? Während des Hörens musste ich selbst an einige Telefonate denken, die ich als Kind geführt hatte. An Gespräche, die damals völlig alltäglich waren und heute doch so weit entfernt wirken. Dadurch hat sich die Zeitreise für mich überraschend persönlich angefühlt. Diese Seite der Geschichte hat mir sehr gefallen, die Zeitreise war für mich nicht nur spannend, sondern auch irgendwie schön.
Das Hörbuch wird gut gelesen und schafft es, die zunehmend beklemmende Atmosphäre passend zu transportieren. Gerade bei einer Geschichte, die stark von Erinnerungen, Beziehungen und den kleinen Veränderungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebt, ist das für mich ein wichtiger Punkt. Hier hat das Hören mühelos funktioniert und ich konnte mich gut auf Vidars ungewöhnliche Reise einlassen.
Ein paar Passagen haben sich für meinen Geschmack allerdings etwas gezogen. Gerade in der Mitte hätte die Geschichte stellenweise etwas mehr Tempo vertragen können. Die Neugier auf das Geheimnis und die Frage, wohin das Ganze führt, haben mich aber trotzdem bei der Stange gehalten. Und dann kommt die Auflösung ... und die hat für mich einiges wieder herausgerissen. Plötzlich bekommen viele Dinge eine andere Bedeutung und die einzelnen Puzzleteile fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Genau solche Momente mag ich bei Geschichten, die mit Zeit, Erinnerungen und Wahrnehmung spielen.
Für mich bleibt vor allem die ungewöhnliche Grundidee im Kopf. Ein Telefonat mit dem eigenen verstorbenen Vater klingt zunächst wie ein unmögliches Szenario, entwickelt sich hier aber zu einer spannenden und zunehmend beklemmenden Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Familie und den Folgen eigener Entscheidungen.