Hat gar nichts mit Rotkäppchen zu tun. Eine Pandemiegeschichte, die auch mit anderem Titel aggressiv langweilig gewesen wäre.
Wie oft habe ich das schon geschrieben, dass ich es abgrundtief hasse, vom Klappentext und/oder Titel angelogen zu werden? Das hier setzt dem Ganzen aber die Krone auf. Hier geht es weder um Rotkäppchen, noch ist es eine Märchenadaption und einen Wolf gibt es auch nicht.Unsere Protagonistin Red lebt in den USA, als ein Virus ausbricht, das den Großteil der Leute infiziert und tötet. Dadurch bricht alles zusammen und sie muss sich mit ihrer Familie - bzw. ohne sie nach deren Ende - zur Großmutter aufmachen, die allein im Wald lebt, fernab der Zivilisation und dementsprechend Infektionsmöglichkeiten. Die einzige Verbindung zu Rotkäppchen ist also die Großmutter im Wald und ein Mädchen mit einer roten Kapuze. Sie wird sogar mit Rotkäppchen verglichen, denn diese Geschichte gibt es natürlich in der normalen Welt schon.Red ist aber natürlich ein Badass Prepper und vermutlich eine Autistin höchsten Grades. Oh, und sie ist dunkelhäutig. Daraus wird aus irgendeinem Grund ein Problem gemacht, denn zumindest am Anfang wird sie deswegen feindlich angemacht und/oder gejagt. Ansonsten ist es hart unwichtig und nimmt tatsächlich Platz weg, die eigentlichen Probleme zweier Seuchen (ja, zwei verschiedene) zu beleuchten. Denn gegen Ende kommt noch ein Resident Evil/Alien-Style Monster aus Leuten raus - wird aber nie erklärt. Unsere Red ist ja auch keine typische Protagonistin, wie sie uns IMMER WIEDER erzählt und deshalb stellt sie sich solche Fragen einfach nicht. Voll unwichtig.Was sonst im Buch passiert ist eigentlich genauso belanglos. Die paranoide Red hält sich für was Besseres, weil sie ja vorbereitet ist, immer alles dabei hat (nicht wie die dummen Protagonisten aus Filmen und Büchern) und weil sie Herr der Ringe GELESEN hat, anstatt nur die Filme zu sehen. Ab da war es für mich eigentlich schon vorbei. Unterwegs trifft sie ab und an ein paar Leute, manchmal tötet sie die, manchmal stirbt einer ihrer Kumpanen, aber ... es ist alles so belanglos, nicht mal sie selbst ist zu einer Gefühlsregung bereit, was die Vermutung Autismus nur noch verstärkt, bzw. etwas, das ich "Klischee-Autismus" taufe. Darauf genauer eingegangen wird trotzdem nie.Ich war schon lange nicht mehr so angepisst von einem Hörbuch. Und Christina Henry hat es damit für mich auf den Stapel von Autor*innen geschafft, um die ich einen weiten Bogen mache. Peter Pan war ok, die Meerjungfrau war ein stinklangweiliges Drama (aber immerhin eine Meerjungfrau!) und Rotköppchen ist eine dreiste Lüge. Der Titel und der Klappentext sind einfach dreiste Lügen.Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.