o wird es mir mit Jo Nesbø's neuem Roman"Insel der Ratten" gehen. Schon die relative Kürze war mir von Beginn an nicht so ganz geheuer. Insgesamt wirkt das Werk eher wie ein Gerüst, ein Entwurf, in dem zwar einige Szenen Ausführlichkeit für sich beanspruchen können (z.B. die Kampfszenen), die handelnden Charaktere aber ohne jedwede Tiefe daherkommen. Der Autor hat sich eigentlich ein herausforderndes Szenario vorgenommen, an dem viele aktuelle Frage hätten erörtert werden können. Nach einer weltweiten Pandemie ist die Gesellschaft mit ihren Ordnungssystemen zusammengebrochen; die Armen bleiben auf der Strecke, Reichtum hat Möglichkeiten... Einer der Superreichen, Colin Lowe verschanzt sich auf der 'Ratteninsel'. Sein Sohn Brad hat eine marodierende Bande gegründet; sie nennen sich 'Chaos'. Plündernd ziehen sie über das Festland und entführen die Tochter von Colin Lowes bestem Freund Will. In weiten Teilen beschreibt das Buch Will's Rachefeldzug. Dabei tauchen Fragen auf wie 'Ist Rache legitim? Auge um Auge, Zahn um Zahn?' und 'Ist es moralisch verwerflich, als Vater der entführten Tochter ein Rettungsangebot des Vaters des Entführers anzunehmen?' Da war eindeutig mehr drin! Das Hörbuch ist sehr solide eingelesen.