Wie sehr genieße ich das Gefühl von Freiheit, wenn ich über das weite Meer blicke oder Richtung Horizont schwimme. Aber eine gefährliche Meeresstraße aus eigener Kraft durchqueren oder sogar sieben wie bei der Oceans Seven? Für mich unvorstellbar. Die Hauptfigur Sophie stellt sich dieser extremen Schwimm-Challenge, und ich wollte unbedingt dabei sein.
Vor genau einem Jahr sind ihr Mann und ihr Sohn bei einer Bootstour tödlich verunglückt. Deshalb verspürt die leidenschaftliche Freischwimmerin keinerlei Angst, denn das Schlimmste ist ihr schon passiert. Dass sie ihr Schicksal in die Hände der Natur legt ist ein Gefühl, das ich gut nachvollziehen konnte. Aber ich war auch erleichtert, dass die Geschichte nicht nur um Trauerbewältigung und die körperliche Herausforderung kreist.
Das Team, das Sophies Reise begleitet, bereichert die Handlung enorm: von ihrem Schwager, der sie mit Proviant versorgt und seine eigenen Probleme mit sich trägt, bis hin zum Kameramann, der das Geschehen dokumentiert. Die Sicht aus verschiedenen Blickwinkeln verstärkt das Gefühl, als Beobachter dabei zu sein eine sehr geschickte Dramaturgie. Außerdem sind die Hintergrundinfos wie die Vorbereitungen für die Challenge oder das schwierige Verhältnis zu ihrer Schwester elegant in Rückblenden oder beiläufig in die Handlung eingewoben. Das hält das Tempo hoch und gibt der Geschichte Tiefe.
Ich bin froh, dass ich mich für die Hörbuchversion entschieden habe. Ich konnte die Augen schließen und mir vorstellen, wie Sophie Armzug um Armzug durch das Wasser gleitet, welche Schmerzen und Freuden sie dabei fühlt und wie sie faszinierenden Meeresbewohnern begegnet. Kathrin Fröhlich gibt Sophies Gefühlsschwankungen und ihre manchmal schroffe Art perfekt wieder; Max Urlacher macht die spannenden Szenen nuancenreich lebendig. Die Geschichte entführt uns von England über Kalifornien bis nach Japan und und ist in jeder Hinsicht eine fesselnde, emotionale Reise.