Das Hörbuch Gretas Männer von Judith Reusch, gesprochen von Irina Scholz und Fanny Bechert, hat mich von Anfang an gefesselt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.
Im Mittelpunkt steht Greta, eine inzwischen über 80-jährige Frau, die in ihrem Leben fünf Mal geheiratet hat. Dass fast alle ihre Männer kurz nach der Hochzeit sterben, macht sie in der Familie zu einer fast schon sagenumwobenen Figur, die den Beinamen Bienenkönigin trägt. Doch hinter diesen Geschichten steckt so viel mehr als bloße Gerüchte oder vorschnelle Urteile.
Besonders gut gefallen hat mir die Erzählweise: Die Handlung entfaltet sich aus wechselnden Perspektiven von Marie, Lola und Greta selbst. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild, das nach und nach immer klarer wird. Während Marie den Kontakt zu ihrer Mutter Greta komplett abgebrochen hat und über die Vergangenheit schweigt, begibt sich Lola neugierig auf Spurensuche. Als Hörerin war ich dabei ganz nah dran und habe gemeinsam mit ihr Stück für Stück Gretas Lebensgeschichte entdeckt.
Greta selbst ist für mich eine beeindruckende Figur. Eine Frau, die immer wieder Verluste erlebt und dennoch nie stehen bleibt. Sie blickt nach vorn, trifft Entscheidungen und geht ihren eigenen Weg unabhängig davon, was andere über sie denken. Gerade diese leise, aber konsequente Stärke hat mich sehr berührt.
Auch das Zusammenspiel der Sprecherinnen hat mir ausgesprochen gut gefallen. Irina Scholz und Fanny Bechert verleihen den verschiedenen Figuren eine eigene Stimme und machen die Emotionen spürbar, ohne dabei übertrieben zu wirken. Das hat das Hörbuch für mich besonders lebendig gemacht.
Der Schreibstil ist insgesamt sehr angenehm ruhig, einfühlsam und gleichzeitig fesselnd. Die Geschichte entwickelt sich in einem schönen Tempo, sodass ich jederzeit gut folgen konnte und nie den Überblick verloren habe. Vor allem die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart ist hier gelungen umgesetzt.
Für mich war Gretas Männer eine rundum gelungene Hörerfahrung. Eine berührende Geschichte über Liebe, Verlust, Selbstbestimmung und die Frage, wie viel Wahrheit wirklich hinter den Geschichten steckt, die wir über andere Menschen erzählen.