Smilla joggt, sie kämpft sich durch den schmalen Waldweg, kommt zu einem See - es ist schön hier, im Schwarzwald, denkt sie. Mit Jonas ist sie vor kurzem hierhergezogen. Ihr Blick geht zum Ufer und darüber hinaus, als sie im See eine kleine Gestalt sieht. Sie springt ins Wasser, zieht einen kleinen Jungen heraus, der sich zunächst wehrt, sich dann aber an sie klammert. Seine Stimme erweckt eine sonderbare Vertrautheit in ihr, sie fühlt sich ihm tief verbunden. Mehr noch, sie spürt, dass dieses Kind ihr Sohn ist. Aber wie kann das sein? Sie hat keine Kinder.
Schon die ersten Worte hinterlassen in mir ein Gefühl der Ratlosigkeit. Ich will unbedingt wissen, was da los ist, wieso Smilla zu diesem Kind diese innige Vertrautheit spürt.
Was machen Sie da? Gehen Sie sofort von meinem Sohn weg! Die Mutter des Kindes stellt sich ihr sehr bestimmt in den Weg, Smillas Erklärung interessiert sie nicht. Bald stellt sich heraus, dass der kleine Moritz mit seinen Eltern Lou und Quentin in direkter Nachbarschaft wohnt. Die Mutter bleibt abweisend, distanziert, kühl, wohingehend der Vater Smilla und Jonas auf sehr nette Art begegnet, sie auch zum Essen einlädt man lernt sich näher kennen.
Die Nachbarin habe ich mir von Anne Düe vorlesen lassen, was eine sehr gute Entscheidung war. Jedem einzelnen Charakter gibt sie seine individuelle Note, sodass man beim Hören keinerlei Probleme hat, sie zu unterscheiden. Man spürt deren Ängste und deren Ratlosigkeit ob der geradezu absurden Situationen genau so wie die verstärkt aufkeimenden Feindseligkeiten. Die durchgehend spannende Story ist geprägt von Zweifel, von Angst und Ungewissheit.
Je mehr ich eintauche in diese Geschichte um die beiden Nachbarsfamilien Smilla/Jonas und Lou/Quentin/Moritz, desto verworrener sind meine Gedanken. Meine Verbundenheit mit den Charakteren wechselt, nicht jeder bleibt mir sympathisch. Mehr noch so manchem möchte ich nicht begegnen. Die Vergangenheit scheint mit hinzuspielen, auch ist von einem schon länger verschwundenen Kind die Rede.
Bis hin zur doch sehr bitteren Auflösung war ich trotz vieler Infos ziemlich ratlos und als ich dann um die Zusammenhänge wusste, war mir die Handlungsweise einer bestimmten Person durchaus klar, wenngleich ich nichts davon gutheiße. Und doch ist die Handlung in sich stimmig, der Thriller von Anfang bis Ende gut und sehr spannend erzählt. Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus. Ein Thriller, der mich in Atem gehalten, der mich komplett für sich eingenommen hat.