Endlich wieder ein neuer Roman über Herrn Lehmann. Dieses Mal gibt es sogar eine Geschichte, in denen beide Brüder im Mittelpunkt stehen. Sven Regner bleibt sich treu, es geht wieder zurück in die Vergangenheit. Ins West-Berlin 1980. Dort wohnt Frank Lehmann seit wenigen Monaten, er ist in die WG seines großen Bruders Manfred eingezogen, hat einen Job in einem Kneipen Café angenommen und ist immer noch verwirrt über die Tatsache, dass man seinen Bruder in Berlin Freddie nennt und nicht Manni, so wie in Bremen. Ein typischer Frank Lehmann Gedanke. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, es ist der 23. Dezember. Viele sind schon auf dem Weg nach West-Deutschland, um dort Weihnachten bei ihren Familien zu verbringen. Frank weiß noch nicht, ob er mit Freddie nach Bremen zu den Eltern fahren soll, denn das hängt auch von Freddies Verfassung ab. Er wird ihn nun aus dem Pillenprojekt abholen. Freddie hat einige Wochen als Versuchskaninchen für Antidepressiva in einer Einrichtung gewohnt. Dabei passiert es, was sie den ganzen Tag beschäftigen wird, Freddies Tasche geht verloren. Natürlich enthält die Tasche wichtige Unterlagen und eine Suche durch die Stadt beginnt. Wer die anderen Lehmann-Romane kennt, trifft auf viele bekannte Figuren, aber es gibt auch neue Begegnungen. Es ist fast wie nach Hause kommen, all diese schrägen, aber irgendwie doch normale Typen. Sofort ist der Funke übergesprungen. Und immer wieder dieser subtile Humor, den Sven Regner seinen Figuren in den Mund legt. Einfach grandios. Es sind die kleinen Erlebnisse, die diesen Roman ausmachen und die uns an der Gedankenwelt von Frank Lehmann teilhaben lässt. Eigentliche Belanglosigkeiten kommen ganz groß raus und ich hatte den ersten großen Spaß beim Lesen und dann ein zweites Mal beim Hören. Das Hörbuch ist von Sven Regner eingesprochen worden und es ist einfach nur toll ihm zuzuhören. Sofort hat man Bilder vor Augen. Für diejenigen unter uns, die Berlin noch als geteilte Stadt kennen, ist dieser Roman eine wahre Zeitreise. Allein bei der Nennung der vielen Bahnstationen kommen sofort Erinnerungen hoch und ja, die Geisterbahnhöfe waren unheimlich. Ein Leben ohne Internet und Handy damals und es hat funktioniert. Wie einfach war doch alles und waren wir alle nicht auch entspannter? Die 288 Buchseiten bzw. die knapp 6 Stunden Spieldauer waren leider viel zu schnell vorbei. Ich hoffe auch weitere Romane, Potential gibt es noch. Für Frankie und Freddie gibt es von mir natürlich eine 5 Sterne Weiterempfehlung.