Martina Hefter gewann mit Hey guten Morgen, wie geht es dir? vor zwei Jahren den Deutschen Buchpreis, nun wollte ich zumindest einmal erfahren, wie sie schreibt und habe ihr neuestes Buch als Hörbuch erlebt. Ja, ich habe nicht nur zugehört, ich habe es wirklich erlebt. Beim Hören hatte ich das Gefühl eine Freundin würde mir ihr Herz öffnen, obwohl ich bei vielem ganz anders denke und auch ganz anders lebe als die Erzählerin. Besonders ihre Kindheitserinnerungen und die Gedanken an die Eltern, die schon längst verstorben sind, empfand ich als sehr persönlich und berührend. Dass ihr Vater an den Spätfolgen von Tschernobyl jämmerlich zu Grunde gehen musste, ist ein starkes Motiv, sich für Umweltschutz zu engagieren.
Ich bin ein Großstadtkind, die Erzählerin ist ein Alpendorfkind, man kann kaum unterschiedlicher sein und denken. Trotzdem, sie hat ihr Dorf verlassen, ist nach Leipzig zum Kunststudium gegangen und lebt nun in einer zur Wohnstatt umgewidmeten Halle am Rande von Leipzig. Ihre Kunstwerke sind mittlerweile bekannt, ihre Installationen schmücken Firmen und Sparkassen, sozusagen öffentliche Kunst, die sie herstellt. Besonders am Herzen liegt ihr der Nachbau ihres Kinderbaumhauses, das jetzt in einer Leipziger Sparkasse zu bewundern ist. Oder zu verachten. Jedenfalls einer verachtet es sehr und hat das böse Wort Bullshit darauf gesprüht. Die Künstlerin ist entsetzt, empört, verunsichert, wütend, traurig und doch darüber erhaben. Alles zugleich. Der Sprayer ist ein bekannter Leipziger Künstler, der zwar ein extrem anderes Äußeres und auch einen anderen Namen (gleich ist: zwei kurze Silben der Vorname, ein einsilbiger Nachname) eitel spazieren trägt, aber mir fällt da nur ein einziger Leipziger Künstler ein, auf den sich so manche Beschreibung, insbesondere eines Bildes, das ich kürzlich im Original sah, übertragen ließe. So musste ich denn doch mitunter lachen, wenn Martina Hefter so richtig in Fahrt geriet.
Über die Wohn- und Lebensverhältnisse der Protagonistin will ich nicht zu viel verraten, nur, sie hat einen Roboterhund (den sie wirklich liebt) und eine Hündin, die ihr zugelaufen ist.
Alles, was mit Klimawandel und Umweltschutz zu tun hat, habe ich gehört, es interessierte mich in diesem Hörbuch nicht so sehr, ich fühle mich schon tagtäglich in den Medien genug belehrt. Ich kann mich in die Protagonistin weder hineindenken noch hineinversetzen, auch Tofu steht nie auf meinem Speiseplan. Aber abgesehen von den vielen grünen Gedanken hat mir das Hörbuch gut gefallen, lustig auch der unerwartete Besuch einer Truppe junger Männer, die auf ihrem Hof bei Starkregen strandeten. Da hätte ich gern mal Mäuschen gespielt.
Inka Löwendorf hat als Hörbuchsprecherin tatsächlich einen Preis verdient, für mich ist sie der Grund, dass ich tatsächlich trotz eines zu mir nicht ganz passenden Themas bis zum Ende zugehört habe.
Fazit: Martina Hefter lässt uns in den Himmel schauen, nach der Sonne und zu den Sternen. Gut. Hörempfehlung.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.