Lotta hat schöne Erinnerungen an Geelekow und die Villa Sturmmöwe, das Ferienhaus ihrer ehemaligen Stiefmutter Helen, dort besonders an das Krähenzimmer. Da sie eine Auszeit von ihrem versemmeltem Jura-Studium und narzisstischen Exfreund braucht, zieht es sie an diesen Ort ihrer Kindheit. In all den Jahren ist hier viel passiert. Jetzt gehört das Haus einer Immobiliengesellschaft. Lotta kann sich dennoch einmieten und sogar einen kleinen Job bekommen. Die Einwohner des Ortes reagieren feindselig, nur ein paar junge Leute nehmen sie in ihrem Freundeskreis auf.
Es geschehen für meinen Geschmack zu viele mehr oder weniger kleiner Dinge. Vom defekten Handy bis zu unerklärlichen Geräuschen ist alles dabei. Kann passieren, doch auch in einem kleinen Ort sollte es möglich sein, ein preiswertes neues Smartphone zu bekommen und die eigene SIM-Karte nutzen zu können. Schon wären ein paar Dinge anders gelaufen. Im Übrigen kann man auch in einem geliehenen Smartphone seine eigene SIM-Karte nutzen. Doch sehen wir mal von diesen Dingen einfach ab.
Lotta ist eine junge Frau, der dumme Dinge passieren. Man mag sie mögen, hat aber immer so ein klein wenig im Hinterkopf, ob mit ihr alles okay ist oder sie ein Spiel spielt. Die Vorkommnisse sind teilweise erschreckend und werden durch die eingeschobenen Kapitel mit den Regeln noch dramatischer. Die dritte Perspektive einer unbekannten jungen Frau verwirrt auf weiter Strecke mehr, als dass sie zum Verständnis beiträgt. Das geht sogar so weit, dass die Perspektivwechsel insgesamt so kryptisch sind, dass sie bald nerven. Schade! Noch dazu hatte ich sehr damit zu kämpfen, Lotta nicht als pubertierenden Teenager einzuordnen. Ihr Verhalten ist einfach nicht passend für eine junge Frau.
Man stochert die ganze Zeit im Dunkeln, Lotta handelt nicht sehr logisch und die Wendungen strengen ein ums andere Mal einfach sehr an. Schlagartig traut Lotta gar niemandem mehr, obwohl sie tagelang seltsame Geräusche per Ohrstöpseln ausgeblendet hat und sich überhaupt keine Sorgen gemacht hat. Da frage ich mich, ob sie so naiv ist oder die Autorin mich für dumm verkaufen möchte. Auch die eine oder andere Aktion in Situationen, in die Lotta gerät, ist für mich weder nachvollziehbar noch logisch oder halbwegs realistisch. Spannung ist immer vorhanden, man möchte ja wissen, was um Himmels willen denn da los ist. Die Auflösung dann ist jedoch hanebüchen und restlos unlogisch. Dem wird dann mit einem ganz besonderen Cliffhanger noch die Krone aufgesetzt. Dieser lässt offen, ob es einen weiteren Teil geben könnte. Und ganz ehrlich, auf den kann ich verzichten.
Dennoch gebe ich drei Sterne, denn Anne Düe und Tim Gössler haben alles getan, um mich weiterhören zu lassen. Es gibt schlechtere Storys als diese. Man kann sie hören oder lesen, verpasst aber auch nicht allzu viel, wenn man es nicht tut. Nett für zwischendurch, wenn man sein Logik-Zentrum abstellt und einfach nur zuhört.