Mädchen allein zu zweit hatte mich mit seiner Mischung aus Freundschaftsgeschichte und Gesellschaftskritik zunächst neugierig gemacht. Leider konnte mich die Geschichte insgesamt nicht so richtig überzeugen.
Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus Issas Sicht, wobei mir der Erzählstil sehr sachlich und distanziert erschien. Genau diese Distanz fand ich allerdings auch bei den beiden Protagonistinnen wieder. Ich habe mich über weite Strecken schwer damit getan, eine wirkliche Beziehung zu Issa und Grace aufzubauen oder ihre Gedankengänge und Motive vollständig nachzuvollziehen. Gerade bei einer Geschichte, deren Kern die Freundschaft zwischen zwei Mädchen ist, hätte ich mir hier deutlich mehr emotionale Nähe gewünscht.
Auch die Handlung rund um Graces große Brüste konnte mich nicht vollständig überzeugen. Sie wirkt auf mich nicht immer authentisch und läuft letztlich ziemlich geradlinig auf die Brustverkleinerung hinaus, die für Grace offenbar schon von Beginn an die bevorzugte Lösung ist. Andere mögliche Wege spielen dabei kaum eine Rolle. Ich kann nicht beurteilen, wie realistisch die medizinische Seite dargestellt wird, da mir dafür das Fachwissen fehlt; als Teil der Geschichte hat sich dieser Handlungsstrang für mich aber nicht ganz rund angefühlt.
Gut gefallen hat mir dagegen, wie selbstverständlich Gesellschafts- und Kapitalismuskritik in die Handlung eingebunden werden. Die finanzielle Situation von Issas Familie wird nicht nur als individuelles Problem betrachtet, sondern auch mit größeren gesellschaftlichen Strukturen verknüpft. Auch der Klimaschutz findet seinen Platz in der Geschichte. Diese Themen waren für mich definitiv eine der interessantesten Seiten des Buches.
Etwas enttäuschend fand ich die Darstellung der Eltern. Die Väter sind nicht nur abwesend, sondern übernehmen teilweise auch kaum Verantwortung. Dazu kommt eine ziemlich überdrehte Helikopter-Mutter, während eine andere Mutter sehr stark auf ihre zweite Tochter fokussiert ist und es mit der Privatsphäre ihrer Kinder nun wirklich nicht besonders genau nimmt. Dadurch wirkten die Erwachsenen auf mich irgendwann ziemlich einseitig. Ich hätte mir tatsächlich wenigstens einen normalen, verlässlichen Erwachsenen gewünscht, an dem sich die Mädchen auch einmal hätten orientieren können.
Als Hörbuch lässt sich der Geschichte grundsätzlich gut folgen. Die Sprecherin hat eine angenehme Stimme und ist gut verständlich. Allerdings empfand ich auch ihre Erzählweise stellenweise als etwas zu emotionslos, was die ohnehin schon vorhandene Distanz zu den Figuren für mich noch verstärkt hat.
Insgesamt ist Mädchen allein zu zweit für mich daher ein Buch mit interessanten Themen und einigen guten Ansätzen, das mich emotional aber nicht erreichen konnte. Besonders die Gesellschaftskritik fand ich gelungen, während mir bei den Figuren und einigen Handlungselementen die Tiefe bzw. Glaubwürdigkeit gefehlt hat.