Was ist Gerechtigkeit?
In Feine Risse begleiten wir bereits zum zweiten Mal die Strafverteidigerin Eva Herbergen, die ihren Ruhestand mit ihrem Mann genießen möchte. Eigentlich wollte sie ihr Mandat niederlegen, hat es sich jedoch anders überlegt. Doch die Fälle aus ihrer Vergangenheit lassen sie nicht los und wirken bis in ihr Privatleben hinein. In mehreren eindringlichen Geschichten beleuchtet der Roman die Grauzonen zwischen Recht und Gerechtigkeit und Schuld und Unschuld. Sind manche Handlungen gerechtfertigt oder ist allein die Rechtsprechung zu betrachten?
Ich persönlich finde es immer spannend, Fälle aus einer anderen Sicht erzählt zu bekommen. Ja, es gibt einen Haufen True Crime Bücher und Dokus, aber oft sind sie doch eher oberflächlich. Sicher kann auch hier nicht so in die Tiefe gegangen werden, aber ich mag die Ehrlichkeit. Dass man zwar das Gesetz einhalten und durchsetzen muss, aber das oft moralisch ganz anders aussehen könnte. Da das Menschliche dazukommt und man sich auch selbst fragt, wie man wohl gehandelt hätte.
Die einzelnen Fälle selbst sind abgeschlossen, oder zumindest so weit besprochen, wie sie bei Elisa lagen. Doch eine Geschichte rund um ihren Mann und dessen Familie zieht sich durch das ganze Buch. So hat man beim Lesen immer neue Fälle zu entdecken, aber eben auch einen roten Faden, der sich durch das Buch zieht.
Die Autorin hat einen sehr ruhigen und besonnenen Schreibstil und erläutert die Fälle in einem sachlichen Ton, aber dennoch kann man ihre Emotionen und Bedenken spüren. Dieses Zusammenspiel gefällt mir wirklich gut und ich hoffe sehr, dass es auch noch einen dritten Teil geben wird.
Die Sprecherin empfand ich als sehr angenehm. Sie hat die Geschichten erstklassig und spannend erzählt.