In einer Zeit und einer Stadt, in der Gesetze nicht mehr gelten, nur noch das Recht des Stärkeren: Eine Pandemie, Massenarbeitslosigkeit und Armut führen dazu, dass Banden durch die Stadt ziehen. Colin Lowe ist reicher Unternehmer und hat sich und seiner Familie Plätze auf der Insel der Ratten gesichert, um die Situation dort auszusitzen. Doch sein Sohn Brad ist Anführer einer dieser Banden und als er die Tochter von Lowes bestem Freund und Anwalt Will entführt, sinnt dieser auf Rache und ein gnadenloses Spiel beginnt.
Nesbø ist bekannt für seine Thriller und so gehört auch dieses Buch zum Thrillergenre. Man hat etwas den Eindruck, als hätte der Autor den Traum eines dystopischen Thrillers gehabt, den er sich hier erfüllt hat. Oder er musste sich die aktuelle Weltsituation von der Seele schreiben. Dementsprechend wirkt dieses Buch nicht ganz ausgereift und hätte sicherlich noch einige Seiten und etwas Zeit mehr gut vertragen. Die Handlung ist streckenweise brutal und drastisch, wird aber abgelöst von durchaus ausgefeilten Charakteren. Die Perspektive wechselt zwischen Will mit seiner Verzweiflung und der jungen Yvonne, die Mitglied in Brads Bande ist. Das ist sehr gut umgesetzt. Als zentrales Thema hat das Buch den moralischen Konflikt um Selbstjustiz. Das hätte man noch deutlich stärker ausbauen können, stattdessen überwogen leider die Thrillerelemente.
Die Umsetzung des Hörbuchs ist sehr gut gelungen. Die wechselnden Perspektiven wurden durch wechselnde Sprecher:innen umgesetzt und die Stimmen waren sehr angenehm und passend.