Das Hörbuch zum gesellschaftskritische Roman Die Liebeshungrigen von Karine Tuil erschien am 15. Mai 2026 im argon Verlag. In 9 Stunden und 8 Minuten beleuchten die beiden Sprecher die Auswirkungen eines Lebens in der Öffentlichkeit aus der Perspektive eines ehemaligen französischen Präsidenten, seiner Ex-Frau und seiner aktuellen Ehefrau.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie Machtverlust, öffentliche Wahrnehmung, mediale Berichterstattung und die unterschiedlichen Maßstäbe, nach denen Männer und Frauen bewertet werden. Besonders eindrücklich wird dargestellt, welche persönlichen Opfer hinter einer erfolgreichen politischen Karriere stehen.
So hat die Ex-Frau des Präsidenten ihre eigene Laufbahn als Schriftstellerin selbstverständlich zurückgestellt, um seinen beruflichen Erfolg zu unterstützen, ohne dass diese Entscheidung jemals bewusst miteinander besprochen wurde. Auch seine heutige Ehefrau verzichtete zunächst auf ihre Karriere als Schauspielerin. Als sie später selbst beruflich erfolgreich wird und in Cannes gefeiert wird, erlebt sie jedoch, wie stark Frauen in der Öffentlichkeit auf ihr Äußeres und ihr Alter reduziert werden.
Auch die Rolle der Medien wird differenziert betrachtet. Einerseits sind sie ständig auf der Suche nach Skandalen und persönlichen Fehltritten, andererseits tragen sie dazu bei, Missstände sichtbar zu machen, etwa bei der Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen in der Filmindustrie.
Die beiden Sprecher:innen passen aus meiner Sicht hervorragend zu den Figuren mittleren Alters. Ihre Stimmen wirken passend zur Atmosphäre und transportieren die unterschiedlichen Emotionen glaubwürdig. Lediglich das Sprechtempo war mir stellenweise etwas zu langsam, weshalb ich problemlos auf 1,25-facher Geschwindigkeit hören konnte.
Das Hörbuch regt zum Nachdenken über Politik, Medien und gesellschaftliche Erwartungen an. Gleichzeitig zeigt er eindrucksvoll, welche Auswirkungen öffentliche Aufmerksamkeit auf Beziehungen und Familien haben kann. Ein empfehlenswertes Hörerlebnis für alle, die sich für Politik, Medien und die #MeToo-Debatte interessieren.