Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses schließt an Foucaults Bücher über die »Geburt« der Klinik und des Irrenhauses (Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft = stw 39) an: Es zeichnet die Frühentwicklung einer anderen totalen Institution nach, die für die liberale bürgerliche Gesellschaft eine mindestens ebensolche definitorische Macht gewann wie das Irrenhaus. Diese Entwicklung beginnt, nicht unabhängig von einigen großen Justizskandalen, um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, als sich die »Ökonomie der Züchtigung« revolutionierte; es entstand eine neue Theorie des Rechts und des Verbrechens, eine neue moralische und politische Rechtfertigung der Strafe, eine neue Strafpraxis. Die vielleicht entscheidendste Veränderung ist der Wegfall der körperlichen Züchtigung, der Marter, und die Einführung der Isolierung der Gefangenen in Zellen, also der Weg zum vollkommenen Überwachungs- und Disziplinierungssystem. Die Gefängnisse werden bürgerliche Zuchthäuser, Zuchtanstalten. Diese verfeinerte Disziplinierungstechnik wird ihrerseits zur »Disziplin« im Sinne der Wissenschaft, zur selben Zeit übrigens, als auch die experimentelle Psychologie entsteht. Die Kontrolle der Normalität korrespondiert der Normalität der Kontrolle.
Inhalt:
I. Marter
1. Der Körper der Verurteilten
2. Das Fest der Martern
II. Bestrafung
1. Die verallgemeinerte Bestrafung
2. Die Milde der Strafen
III. Disziplin
1. Die gelehrigen Körper
Die Kunst der Verteilungen
Die Kontrolle der Tätigkeit
Die Organisation von Entwicklungen
Die Zusammensetzung der Kräfte
2. Die Mittel der guten Abrichtung
Die hierarchische Überwachung
Die normierende Sanktion
Die Prüfung
3. Der Panoptismus
IV. Gefängnis
1. Totale und asketische Institutionen
2. Gesetzwidrigkeiten und Delinquenz
3. Das Kerkersystem