Mit Diabolisches Spiel setzt Petra K. Gungl die Geschichte um Agnes Feder und Siebert eindrucksvoll fort und steigert Spannung, Emotionalität und Tiefe im Vergleich zum ersten Band noch einmal deutlich. Die gelungene Mischung aus Krimi, Thriller, Übersinnlichem und großer Liebesgeschichte entfaltet sich diesmal besonders intensiv.
Der zweite Teil beginnt ruhiger und beinahe romanhaft: Agnes und Siebert wagen in London einen Neuanfang. Das Ankommen in der fremden Stadt, die detaillierten Ortsbeschreibungen und die ersten Träume geben der Geschichte Raum zum Atmen. Gerade dieser entschleunigte Einstieg hat mir sehr gefallen, da er ein langsames Eintauchen ermöglicht und die Figuren weiter vertieft.
Doch diese Ruhe trügt. Mit dem Wiederauftauchen von Michelle aus Band 1 nimmt die Handlung abrupt an Fahrt auf und wird plötzlich düster und hochspannend. Agnes Tätigkeit in einem dubiosen Pharmakonzern, der skrupellose Geschäftsführer Walter Bernty und die Enthüllung ihrer früheren Existenz als Heilerin im Jahr 1410 verbinden Gegenwart und Vergangenheit auf faszinierende Weise. Die Geschichte um Stonehenge wirkt dabei greifbarer und näher als die Fantasyelemente des ersten Bandes.
Besonders hervorzuheben ist die Parallelhandlung im 15. Jahrhundert: Die Geschichte von Violette und Theodor ist wunderschön erzählt, emotional dicht und tragisch. Trotz der Mystik sind die Motive und Entscheidungen der Figuren sehr gut nachvollziehbar. In beiden Zeitebenen überzeugen auch die Nebenfiguren sie sind klar gezeichnet, differenziert charakterisiert und tragen wesentlich zur Atmosphäre und Spannung bei.
Ein weiteres Highlight ist der behutsame, fast lehrreiche Umgang mit Kräutern, Bachblüten, Aromen und natürlichen Heilkräften. Diese Elemente fügen sich organisch in die Handlung ein und verleihen dem Hörbuch eine besondere, ruhige Tiefe, ohne den Thrilleraspekt zu schmälern.
Im weiteren Verlauf zieht die Spannung massiv an: Agnes gerät unter Mordverdacht, Verrat und Verzweiflung bestimmen das Geschehen, und sowohl in der Gegenwart als auch 500 Jahre zuvor scheint alles auf einen Abgrund zuzusteuern. Die Stimmungen sind hervorragend eingefangen man sieht die englische Landschaft, das Herrenhaus und das moderne wie historische London förmlich vor sich. Auch die versnobte englische Gesellschaft ist treffend und mit feinem Humor charakterisiert; stellenweise fühlte ich mich an Sherlock Holmes oder Miss Marple erinnert allerdings mit einer außergewöhnlichen Verbindung in die Vergangenheit.
Der Showdown ist packend und überraschend. Die Auflösung verlangt Agnes alles ab, und mit dem Ende hätte ich so nicht gerechnet. Siebert tut einem leid, der Abgang mit dem Kommissar macht neugierig, und spätestens hier steht fest: Den dritten Teil muss man hören.
Insgesamt hat mich der zweite Band emotional stärker mitgenommen als Teil 1. Agnes und Siebert sind mir sehr ans Herz gewachsen, und die Verbindung aus Mystik, Krimispannung und Liebesgeschichte funktioniert hier besonders überzeugend. Abgerundet wird das Ganze durch die hervorragende Lesung der Autorin selbst: Petra K. Gungl liest mit viel Gefühl, Atmosphäre und Gespür für ihre Figuren.
Fazit:
Ein intensives, atmosphärisches und spannendes Hörbuch, das den Vorgänger übertrifft. Diabolisches Spiel ist ein echtes Hörvergnügen mystisch, emotional und hochspannend. Absolute Empfehlung.