Nach "Wellengrab", das für mich ein echtes Highlight war, wollte ich unbedingt noch mehr von Stefan Ahnhem hören und Haustausch hat mich ebenfalls überzeugt.
Worum geht's?
Zwei Ehepaare, zwei Häuser und die Hoffnung auf einen Neuanfang: Während Carl und Helene einen Monat in Santa Cruz verbringen, ziehen Adam und Scarlett in ihr Haus im Stockholmer Schärengarten. Was zunächst nach einem unkomplizierten Haustausch klingt, entwickelt sich auf beiden Seiten zunehmend zum Albtraum. Unheimliche Vorkommnisse, versteckte Überwachung und die Frage, wem eigentlich noch zu trauen ist, sorgen dafür, dass sich die beiden Handlungsstränge immer stärker miteinander verbinden.
Meine Meinung
Besonders gut funktioniert dabei das Grundprinzip des Romans. Der Autor spielt mit dem Gefühl, dass ein vermeintlich sicherer Ort plötzlich überhaupt nicht mehr sicher ist. Gerade weil die Figuren jeweils in einem fremden Zuhause leben, entsteht eine interessante Mischung aus Beobachtung, Misstrauen und Kontrollverlust. Gleichzeitig spielen die Beziehungen der beiden Paare eine wichtige Rolle: Nicht nur die Häuser bergen Geheimnisse, sondern auch die Ehen selbst.
Über weite Strecken hat mich Haustausch richtig gut unterhalten. Ich wollte wissen, was hinter den merkwürdigen Ereignissen steckt und wie die verschiedenen Fäden letztlich zusammenlaufen. Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass ich ungefähr zur Hälfte selbst auf die Lösung gekommen bin. Gerade bei einem Psychothriller nimmt das natürlich ein Stück Spannung heraus; besonders dann, wenn man eigentlich darauf wartet, selbst möglichst lange im Dunkeln zu tappen. Das hat Haustausch für mich letztlich auch davon abgehalten, an Wellengrab heranzukommen.
Trotzdem war die Auflösung nicht langweilig. Denn selbst nachdem ich ungefähr wusste, worauf die Geschichte hinausläuft, wollte ich unbedingt erfahren, wie sich alles entwickelt und vor allem, wer am Ende überhaupt noch heil aus der Sache herauskommt. Die Spannung verlagert sich damit ein Stück weit von der Frage Was steckt dahinter? zu Wie geht das Ganze jetzt aus?, und auch das hat für mich gut funktioniert.
Ich habs als Hörbuch gehört, gelesen von Wolfgang Wagner. Seine Interpretation hat für mich gut zur düsteren und zunehmend beklemmenden Atmosphäre gepasst und den Thriller angenehm hörbar gemacht. Übersetzt wurde Haustausch von Katrin Frey, was ebenfalls erwähnt werden soll, da ich das Hörbuch in der deutschen Übersetzung gehört habe.
Am Ende gab es für mich übrigens noch eine kleine Überraschung: Erst nach dem Hören habe ich entdeckt, dass Haustausch als Serie verfilmt wurde. Jetzt bin ich tatsächlich trotz Spoilerwissen neugierig darauf, wie das Ganze filmisch umgesetzt wurde.
Fazit
"Haustausch" ist für mich ein sehr gut gemachter Psychothriller, der Spannung, Misstrauen und die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen gelungen miteinander verbindet. Dass ich die Lösung bereits ungefähr zur Hälfte durchschaut hatte, war zwar ein kleiner Dämpfer und verhindert für mich die Highlight-Einstufung, hat aber nicht dafür gesorgt, dass ich das Interesse an der Geschichte verloren habe. Von mir gibt es deshalb eine klare Empfehlung und mit Stefan Ahnhem habe ich für mich einen Autor entdeckt, von dem ich mir definitiv weitere Bücher bzw. Hörbücher anhören möchte. Vielen Dank an NetGalley.de und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar!