Mit Das Wunderkind widmet sich Thomas Mann einem Thema, das ihn sein Leben lang beschäftigte: dem Wesen des Genies. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der kaum zehnjährige Pianist Bibi Saccellaphylaccas, der bei einem Konzert das Publikum mit seinem außergewöhnlichen Talent in Staunen versetzt. Während die Zuhörer zwischen Bewunderung, Skepsis und ehrfürchtigem Erstaunen schwanken, entfaltet sich ein vielschichtiges Bild eines Kindes, das zugleich unbeschwert und von seiner Begabung gezeichnet erscheint. Thomas Mann beschreibt das Konzert nicht nur als musikalisches Ereignis, sondern als Begegnung mit dem Rätsel außergewöhnlicher Begabung. Mit feiner Ironie, psychologischer Beobachtungsgabe und sprachlicher Eleganz stellt er die Frage, was ein Genie ausmacht und wie die Welt auf Menschen reagiert, deren Talent weit über das Gewöhnliche hinausgeht.