Russland im Adventskalender ¿ ein problematisches Signal in Zeiten des Krieges in Europa.
Ich finde es äußerst befremdlich, Russland im Adventskalender "Weihnachten in aller Welt" als eines von 24 Ländern aufgeführt zu sehen, deren Weihnachtstraditionen Kindern nähergebracht werden sollen.Seit dem Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine am 24. Februar 2022 führt Russland einen brutalen Angriffskrieg gegen ein europäisches Land. Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen, unzählige Familien wurden auseinandergerissen, und die Zivilbevölkerung leidet weiterhin unter den Folgen des Krieges. Zugleich stellt Russlands Vorgehen eine anhaltende Bedrohung für die europäische Sicherheit dar.Mir ist bewusst, dass es in diesem Kalender darum geht, Kindern unterschiedliche kulturelle Traditionen zu vermitteln. Gerade deshalb halte ich es jedoch für wichtig, den Kontext nicht völlig auszublenden. Ein Land in einer solchen Publikation als selbstverständlichen Teil einer internationalen kulturellen Vielfalt darzustellen, ohne die Realität des gegenwärtigen Krieges auch nur anzusprechen, empfinde ich als problematisch.Es geht mir ausdrücklich nicht darum, russische Kultur oder die Weihnachtstraditionen russischer Familien grundsätzlich abzulehnen. Kultur ist vielfältig, und die Menschen eines Landes sind nicht mit der Politik seiner Regierung gleichzusetzen. Dennoch stellt sich die Frage, ob es angemessen ist, Russland in einem europäischen Kinderbuchprodukt ohne jede Einordnung neben Ländern zu präsentieren, die keinen vergleichbaren Angriffskrieg gegen ein anderes europäisches Land führen.Ein Adventskalender ist zwar kein politisches Lehrbuch. Er vermittelt Kindern aber auch ein Bild davon, wie die Welt aussieht und welche Länder als selbstverständlicher Teil einer friedlichen internationalen Gemeinschaft dargestellt werden. Gerade bei einem Produkt, das sich an Kinder richtet, sollte ein Verlag sensibel mit diesem Spannungsverhältnis umgehen.Ich hätte mir gewünscht, dass der Verlag diese Auswahl kritisch reflektiert und berücksichtigt, was es für Menschen aus der Ukraine und für all jene bedeutet, die den Krieg unmittelbar erleben oder seine Folgen tragen.Ich würde mir daher eine Stellungnahme des Verlags zu dieser Auswahl wünschen und hoffe, dass bei zukünftigen Publikationen der aktuelle europäische Kontext und die Verantwortung gegenüber den betroffenen Menschen stärker berücksichtigt werden.