Stellen wir uns vor, ein Coach würde mitten im Gespräch plötzlich sagen: Was wäre, wenn Sie heute gar nichts ändern müssten und wir das Problem einfach stehen lassen? Oder: Was wäre, wenn Ihre Empathie Sie sogar daran hindert, klar zu sehen? Solche Fragen wirken zunächst irritierend vielleicht sogar provokant. Und genau hier setzt das Buch Positive Provokation im Coaching von Robert Biswas-Diener an. Es versteht Provokation nicht als Angriff, sondern als gezielte Einladung, Routinen aufzubrechen und frische Perspektiven zu ermöglichen.
Warum arbeite ich, wie ich arbeite?
Robert Biswas-Diener geht davon aus, dass Coaching oft auf stillen Annahmen beruht Vorstellungen darüber, wie Coaching idealerweise ablaufen sollte: dass Empathie stets hilfreich ist, dass Stille immer gut tut und dass Coaches neutral bleiben. Diese Annahmen sind nicht falsch aber sie sind oft unbewusst.
Positive Provokation bedeutet in diesem Sinne, genau diese Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen: Warum tun wir die Dinge so? Gäbe es auch andere Wege? Was entsteht, wenn wir eine Gewohnheit bewusst irritieren? Dabei geht es nicht um Provokation der Provokation wegen, sondern um ein bewussteres, reflektiertes Coaching. Unsere grundlegende Aufgabe als Coaches ist es ja, unseren Klienten Fragen zu stellen, auf die sie selbst nicht gekommen sind, so Biswas-Diener. Und genau wie sie können auch wir selbst unser Denken nicht mithilfe unseres eigenen Denkens verändern.
An der eigenen Profession arbeiten
Der Ratgeber gliedert sich in 25 provokative Fragen, die jeweils einen neuen Blickwinkel eröffnen. Jede Frage wirkt wie ein Impuls zur Selbstreflexion und lädt dazu ein, Coaching nicht nur auszuführen, sondern zu denken als bewussten, lebendigen Prozess. Die Kapitel sind praxisnah aufgebaut: Sie bieten theoretische Hintergründe, neue Blickrichtungen und konkrete Transferideen für die eigene Arbeit.
Positive Provokation im Coaching ist kein klassisches Methodenbuch, sondern mehr ein Arbeitsbuch zur Selbstreflexion. Es richtet sich an Coaches, die nicht nur Werkzeuge suchen, sondern ihre Haltung überprüfen möchten. Genau dadurch zeigt das Buch seine größte Stärke: Es lädt dazu ein, Coaching als lebendigen Prozess zu verstehen und vor allem als mutigen.
Roter-Reiter-Fazit
Mit Positive Provokation im Coaching und 25 provokanten Fragen eröffnet Robert Biswas-Diener Coaches die Möglichkeit, ihre eigene Tätigkeit und eingeübte Abläufe in der Zusammenarbeit mit Klienten und Klientinnen zu hinterfragen, um bewusster zu handeln.