Familienurlaub mit erwachsenen Kindern und Eltern. Wechseljahre, Erinnerungen, Reflexionen und gaaanz viel Liebe für die Kinder.
Dasselbe Ferienhaus auf Cape Cod, seit 20 Jahren und auf nichts freut sich die Mittfünfzigerin Rocky mehr, als auf diese sieben Tage mit ihrer Familie. Sohn Jamie, seine Freundin Maya und Tochter Willa, alle längst erwachsen, beziehen mit Rocky und ihrem Mann Nick das schon etwas runtergerockte aber heißgeliebte kleine Haus. Im Laufe der Woche werden Rockys Eltern für zwei Tage dazustoßen, aber nur zwei, so war es immer schon. Der Roman wird durch die Wochentage strukturiert, die die Familie gemeinsam verbringt und folgende Szene können sicherlich ganz viele nachvollziehen: "'Heute ist Montag!', verkünde ich. Das sage ich jedes Jahr. Das ist der Moment unseres Urlaubs hier, in dem ich das Gefühl habe, dass diese Woche niemals enden wird. Als würde sie sich auch für die restliche Zeit so wunderbar ausdehnen. Aber so wird es nicht weitergehen. Schon wenig später werde ich jammern: 'Wie kann denn heute schon Freitag sein?' Und dann werden alle nicken und seufzen, weil ich auch das jedes Jahr sage." (S. 69) Wir erleben das Zusammensein aus der Sicht der Ich-Erzählerin Rocky. Sie beschreibt den aktuellen Urlaub, schweift aber immer wieder ab in die Vergangenheit und erzählt von den Aufenthalten, als ihre Kinder noch klein waren. Rocky liebt ihre Kinder über alles und wird nicht müde, sie zu betrachten und innerlich zu bejubeln. Gleichzeitig ist sie mit sich selber nicht im Reinen, sie kämpft mit den Auswirkungen der Wechseljahre und macht sich Sorgen um ihre betagten Eltern. Das wunderschöne Cover und der Klappentext (Zitat: "Ich habe ununterbrochen gelacht [...].") suggerieren einen höchst amüsanten Sommer-Sonne-Strand-Roman. Den habe ich nur in Teile in "Sandwich" gefunden. Es gibt durchaus einige humorvolle Stellen, die für mich aber von Rockys Stimmungsschwankungen, ihren Überlegungen zu unerfüllten Kinderwünschen und der Lobhudelei über ihre Kinder überdeckt werden. Ich bin mir auch sicher, dass ich gar nicht alle Anspielungen bzw. Gags verstanden habe, die sich die Familienmitglieder hin und her geworfen haben, vielleicht muss man dazu in den USA aufgewachsen sein. Ich kam mir gelegentlich vor wie die entfernte Cousine, die mit am Tisch sitzt und nicht mitlachen kann. Der Roman hat durchaus Charme, war mir aber zu problembehaftet, um als Sommerroman durchzurutschen. Auch wenn das Thema Kinderwunsch bzw. unerfüllter Kinderwunsch unheimlich viele Personen berührt, habe ich in letzter Zeit einfach zu oft darüber gelesen. Wer an dieses Buch unter dem Gesichtspunkt herangeht, dass eine Frau in den besten Jahren über ihr Leben reflektiert und dabei gerade eine hektische, mit wunderbaren Erinnerungen und traurigen Gedanken angefüllte Urlaubswoche verbringt, wird es beglückt lesen und zuklappen können. Wer einen lustigen Sommerroman lesen möchte, sollte ein anderes Buch wählen.