Penibel recherchiert und fesselnd erzählt
Michael Palin, britischer Autor, Schauspieler, Reiseschriftsteller und ehemaliger Präsident der Royal Geographic Society nimmt uns mit diesem Buch auf mehrere interessante Reisen der HMS Erebus und der HMS Terror mit: Zum einen auf die Fahrten, die die Kriegs- und Forschungsschiffe der Royal Navy in Antarktis und Arktis in den Jahren 1839-1843 unternehmen, und zum anderen auf jene verhängnisvolle Reise von 1845, um die Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik zu finden, von der keines der Besatzungsmitglieder der HMS Erebus und der HMS Terror zurückkehren werden.Die beiden Schiffe werden, das lässt sich aus den Forschungen ableiten, um 1848 von ihrer Besatzung aufgegeben gelten als verschollen, bis im September 2014 die Erebus vor der Adelaide-Halbinsel geortet werden kann. Das Wrack der Terror wird zwei Jahre später gefunden. Höchst präzise, manchmal fast schon etwas detailverliebt, lässt uns Michael Palin an den Vorbereitungen und an den Forschungsfahrten der beiden Schiffen teilhaben. An Hand von Logbüchern, privaten Tagebüchern sowie zahlreichen Briefen entwirft er ein Bild der historischen Seefahrt, das von den üblichen romantisch dargestellten Seefahrermythen stark abweichen. Hin und wieder gibt es Erinnerungen an Admiral Horatio Nelson, dem Held von Trafalgar, denn einige der Besatzungsmitglieder haben unter ihm gedient. Zwischen den hard facts der Dokumente fließen immer wieder kurze, durchaus humorvolle Gedanken des Autors ein, wenn er Vergleiche zur Gegenwart zieht. Nun ja, er ist nicht umsonst Mitglied der berühmten Monty Pythons gewesen. Im Anhang finden sich zahlreichen Abbildungen von Konstruktionsplänen der Erebus bzw. Terror, Fotos von Überresten, die die Inuit sowie die diversen Rettungsteams in Kanada gefunden haben. Ein interessanter Aspekt ist auch die Überheblichkeit jener (weißen) Männer, die zur Rettung der Besatzung aufgebrochen sind und dabei, die Angaben der Inuit ignoriert haben. Wahrscheinlich hätte man die beiden Schiffswracks schon viel früher finden können. Da hat nicht nur an den mangelnden Sprachkenntnissen gelegen. Interessant zu lesen ist, dass, als man Spuren von möglichen Kannibalismus an den Überresten der Besatzungen gefunden hat, den Seeleuten beinahe ihren Helden-Status aberkannt hätte. Da spielt Lady Franklin eine gewichtige Rolle, die alles daran setzt, ihrem Mann, Sir John Franklin ein ehrenden Andenken zu bewahren, denn die Gerüchte über Kannibalismus passen so sogar nicht ins Bild. Fazit:Gerne gebe ich diesem Sachbuch, das mit eigenen Gedanken des Autors angereichert ist, 5 Sterne.