Zunächst einmal war das Buch ziemlich lang. Mir gefiel zwar der Erzählton, aber nach dem ende, frage ich mich immer wieder: Warum war es eigentlich so lang? Ich könnte zwar nicht genau sagen, warum oder was man hätte kürzen sollen - es wirkte einfach irgendwie ausufernd.Ich hatte das Buch nicht als Thriller oder primär als Kriminalgeschichte beworben bekommen, im Gegensatz zu anderen Rezensenten war ich daher auch nicht enttäuscht. Was den Slogan "Eine Geschichte über Essen und Mord" angeht: Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem "Mord"-Teil zustimmen würde - angesichts dessen, wie wenig dieser Aspekt tatsächlich im Mittelpunkt stand.Das Erzähltempo war interessant, und bis kurz vor Schluss kam ich gut damit zurecht; doch der letzte Abschnitt wirkte irgendwie gehetzt - oder zumindest nicht im selben Rhythmus erzählt wie der Rest des Romans. Rikos Reaktion am Ende, im Vergleich zu den drei Tagen, die wir zuvor mit ihrer Freundin auf deren eigener Mission verbracht hatten, wirkte seltsam oberflächlich abgehandelt.Ehrlich gesagt haben mich die ganzen Themen rund ums Gewicht nicht allzu sehr gestört. Es ist zwar schon extrem - vor allem die Vorstellung, dass jemand mit 55 kg als übergewichtig gilt, dass jeder dazu einen Kommentar abgeben muss; das ist schon ziemlich insane. Ich folg einiges an kpop, daher war mir diese spezielle Sichtweise bereits vertraut: dass man selbst bei einem völlig normalen Gewicht als übergewichtig gilt und dies als persönliches sowie moralisches Versagen bei der Selbstdisziplin gewertet wird falls nicht. Da ich diese Mentalität schon oft erlebt habe, war ich nicht sonderlich schockiert, ihr im Buch so häufig zu begegnen.Mir gefielen etliche Passagen, die Rikos Gedankenwelt offenbarten - besonders zu Beginn. Auch die Art und Weise, wie sie in meiner Vorstellung von ihrer zuvor so progressiven Haltung abwich, sobald sie unter Kajiis Einfluss geriet, fand ich interessant. Doch angesichts einiger wirklich wichtiger Themen vermisse ich irgendwie eine echte Auflösung oder jemand der irgendwo damit ankommt. Die Spannung zwischen Kajiis Lebensweise und ihrer eigenen Ansichten war faszinierend, wurde aber irgendwie abrupt abgebrochen, bevor sie zu einem wirklichen Schluss kommen konnte. Wie viele andere Dialoge hätten auch diese Gespräche - etwa über die Vater-Tochter-Beziehungen, die sich so unterschiedlich und doch so gleich gestalten - noch tiefer ergründet werden können. Es fühlte sich ein wenig frustrierend an, dass man hier nicht "bis zum Ende" ging; es wirkte etwas unvollständig, auch wenn man gleichzeitig spürte, wie umfangreich der Roman insgesamt ist.Gegen Ende hin - ich würde sagen, vor allem in den letzten 15 Prozent des Buches, war ich bei einigen Szenen sogar etwas verwirrt, da mir die Motivationen bestimmter Charaktere unklar war oder ich nicht ganz nachvollziehen konnte, wie sie zu ihrer jeweiligen Denkweise kommen. Bei Reiko dachte ich weiß wer sie ist, dann ändert sie ihre meinung so hart, dass ich nix mehr weiß.Es ist mir fast ein wenig peinlich, aber ich übersehe "Queer Vibes" oft, besonders zwischen Frauen in Büchern. Ich habe schon Sachen gelesen un dann wenn später gewisse szenen genannt weden erst dann gedacht: "Oh, jetzt sehe ich es auch!" Das war hier jedoch ganz und gar nicht der Fall; bestimmte Zitate und Stimmungen waren schon sehr früh erkennbar - selbst für mich. Riko lässt Sprüche los, bei denen ich nur dachte: "Mädel, dir ist schon klar was das heißt, oder?"Dennoch finde ich die Grundidee und die Dialoge interessant, und ich habe die Lektüre des Buches größtenteils genossen. Allerdings wurde es meiner Meinung nach ziemlich falsch vermarktet; "Essen und Obsession" wäre als Beschreibung weitaus treffender gewesen.