Die junge Ich-Erzählerin kommt heim in die norddeutsche Heimat. Ihre Mutter, die Pfarrerin, ist an Krebs erkrankt, wird bald sterben. Gemeinsam mit dem Vater und der Schwester kümmert sie sich nun um Pflege und Haushalt, der Bruder weit weg, der Freund eher auf Warteposition. In Rückblenden setzt sie sich mit der Vergangenheit auseinander, in der die Mutter als Pfarrerin jederzeit für die Gemeinde mit Trost, Hilfe und Engagement zur Stelle war; als Mutter aber durchaus dominant und emotional distanziert blieb. Es wirkt fast, als streife sie all die Eigenschaften, die für ihren Beruf unerlässlich sind, im Privaten komplett ab und als wäre sie nur noch für sich und ihre eigenen Bedürfnisse da. Gerade dieses Verhalten nimmt immer wieder tragisch-komische Formen an, damals wie heute. In dem Versuch einer Versöhnung mit der Vergangenheit sucht die Ich-Erzählerin nun nach liebevollen Gesten, nach Unterstützung und (familiärem) Zusammenhalt.
Gerade die Dominanz der Mutter sowie die wenig offenkundige Zuneigung der Figuren untereinander hat mich eher irritiert; gleichzeitig aber das Verhältnis der Erzählerin zur Mutter/Pfarrerin dadurch sehr authentisch dargestellt. Die distanzierte Sprache, die eher kühle Atmosphäre in Räumen und Beziehungen. Was für mich wenig nachvollziehbar war, ergab in diesem familiären Kontext viel Sinn und wurde von der Autorin sehr feinfühlig, ehrlich und mit einem Zwinkern umgesetzt.
Gern gelesen.