Der verschwundene Buchladen erzählt seine Geschichte aus der Sicht von drei unterschiedlichen Protagonisten, die auf zwei Zeitebenen leben: eine im Jahr 1921 und zwei in der Gegenwart. Jeder dieser Charaktere trägt eine eigene, teils schmerzhafte Vergangenheit mit sich, doch besonders das Schicksal von Martha hat mich tief bewegt - sogar am meisten von allen. Ihre Geschichte ist geprägt von Gewalt in der Ehe und dem mutigen Versuch der Flucht. Die Autorin beschreibt Marthas Leid und innere Zerrissenheit unglaublich authentisch, feinfühlig und ohne zu beschönigen. Gerade diese leise, ehrliche Art hat mir ihr Schicksal besonders nahegebracht.Zentral für alle Figuren ist die Liebe zu Büchern - ein Thema, das mich von Anfang an begeistert hat und genau meinen Geschmack trifft. Der geheimnisvolle verschwundene Buchladen weckte sofort meine Neugier und hielt sie bis zum Ende aufrecht. Der Schreibstil von Evie Woods ist dabei einzigartig und atmosphärisch, manchmal fast magisch. Besonders Madame Bowden ist ein sehr geheimnisvoller und faszinierender Charakter, der dem Roman zusätzliche Tiefe verleiht. Auch die Hinweise und Bezüge zu Emily Brontë fand ich sehr interessant und passend eingebettet.Wütend und zugleich traurig war ich beim Lesen über das Schicksal von Opaline im Jahr 1923 - es hat mich sehr berührt, wie deutlich gezeigt wird, wie Frauen zu dieser Zeit behandelt wurden und wie wenig Selbstbestimmung ihnen zugestanden wurde. Insgesamt ist Der verschwundene Buchladen ein wunderschönes Buch, das mir sehr gefallen hat. Zwar lassen sich einige Entwicklungen erahnen, dennoch verlangt die Geschichte ein sorgfältiges und aufmerksames Lesen, da man durch die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen leicht durcheinanderkommen kann. Für mich ist es ein berührender Roman über Bücher, Mut, weibliche Schicksale und die Kraft der Hoffnung - und besonders Martha wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben