Dieses Buch war eine wohltuende Abwechslung zu den meist gleichförmigen SF-Werken, die ich sonst so lese. Daraufgekommen bin ich durch eine Reszension von Denis Scheck, in dem er anführte, dass ihm die Romane von Martin Suter eigentlich nicht gefallen würden, aber "Melody" wäre eine echte, positive Überraschung. Für mich ist dies der erste "Suter", aber bestimmt nicht der letzte.Ich war sehr angetan von der Geschichte des reichen Zürcher Politiker, Geschäftsmann und General Dr. Peter Stotz, der im Sterben liegt und dem nicht mehr viel Zeit bleibt, allerhand kritische und inkriminierende Papiere von seinem Nachlassverwalter aus der Welt zu schaffen.Also stellt der alternde Dr. Stotz den jungen, arbeitslosen Juristen Tom an, der auch in seinem mondänen Wohnsitz in Zürich wohnen soll und der seine Biografie "bereinigen" soll. Eigentlich sucht Stotz aber vielmehr jemanden, dem er die Geschichte von Melody erzählen kann, seiner großen Liebe, die kurz vor der Hochzeit verschwand.Der junge Jurist muss sich nun mit der Selbstbeweihräucherung seines Dienstherren befassen, als dann diese mysteriöse Braut ins Spiel kommt, die Stotz kurz vor der geplanten Hochzeit davonläuft, wird es spannend: Er erzählt die Geschichte der Liebe seines Lebens, aber der findige Nachlassverwalter kann in Erfahrung bringen, dass Melody, so ihr Name, eine ganz andere Perspektive vertritt...Was wie eine Liebesgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als eine Geschichte über "Selbstdarstellung und Außenwirkung"Wie Martin Suter die verschiedenen Ebenen seines Romans immer wieder klug zu verweben weiß, hat mir sehr gefallen: Zunächst geht es um den jungen Juristen Tom, der eine Stelle als Nachlassverwalter eines ehemals hohen Tiers in der Politik- und Wirtschaftswelt der Schweiz annimmt. Dafür wird von ihm erwartet, das bislang kolportierte Image dieser Person aufrecht zu erhalten. Parallel erzähle er von seiner Liebe zur Buchhändlerin Melody und der erfolglosen Suche nach ihr. Es ergibt sich daraus eine so lehrreiche wie amüsante Geschichte um Wahrheit, Moral und Selbstdarstellung.Der Roman enthält mehrere Plottwists, die ich nicht kommen gesehen habe und die Fragen, wer eine Geschichte erzählt und wie sie sich zu den eigenen Gunsten drehen läßt, hat mir immensen Spaß gemacht...