Gabriele von Arnim gehört zu den klügsten Frauen, von denen ich je etwas lesen durfte. Seit ,Das Leben ist ein vorübergehender Zustand' (Rowohlt 2021), in dem sie (sehr bewegend!) ihr Leben an der Seite ihres nach mehreren Schlaganfällen absolut pflegebedürftigen Mannes beschreibt, habe ich keinen Titel ausgelassen. ,Der Trost der Schönheit. Eine Suche' (Rowohlt 2023) verzauberte mit poetisch-sanften Betrachtungen. ,Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht' (Kjona 2024) machte nachdenklich, auch zornig und baute doch auf. Und da sind wir nun wieder (so produktiv!). Gabriele von Arnim schreibt ,Abschied leben. Tagebuch eines Zeitgefühls' (Rowohlt 2026). Wir begleiten ihre Tagebucheinträge vom 24. November 2024 bis zum 22. November 2025. Tauchen ein in ihre Gedankenwelt, die sich natürlich um das Thema Abschied dreht und damit auch um Sterben und Tod. Letztlich geht es aber um nichts anderes als das Leben klingt abgedroschen, ist aber so: erfrischend, ermutigend, klug. Immer wieder geht es um Bücher, Autor:innen, um das Lesen, um Politik (,zu viel Trump im Text, sagt meine Lektorin'), um Freundschaft, um die Natur.
,Vielleicht muss man das Denken noch einmal umdrehen. Die Kunst des Abschieds üben. Nicht klagen ob all dessen, was man nicht mehr kann, sondern dankbar sein für das, was man noch kann. () Es gibt Abschiede, die lösen die Maschen im Netz. Man stürzt hindurch, stürzt tief, fällt immer weiter - und sucht Rettung. Tanzmusik anstellen und toben und schwingen und wirbeln - wenn man denn kann - oder die Blätter im Buchenzweig vor dem Fenster zählen, Tücher und Schals im Regal neu falten, Pullover im Schrank mit Lindenblütenessenz besprühen, die trockenen Füße cremen, den Küchenboden fegen, Haare waschen und föhnen - und dann endlich sitzen und weinen.'
Ach ja. Schön, oder? Also los: Tanzmusik anstellen und toben und schwingen und wirbeln (und immer mal weinen nicht vergessen). Liebe Gabriele von Arnim: Bitte weiter so kluge, so schöne, so freundliche Bücher schreiben!