Den Solo-Werken von Adler-Olsen durchaus ähnlich, sogar bei den bekannten Schwächen
Dieses Buch entdeckte ich mit einiger Verwunderung durch Zufall, hieß es doch, dass die Reihe Jussi Adler-Olsens um Carl Mørck und seine Kollegen Assad, Rose und Gordon mit dem 10. Band beendet sei. Doch dann ist 2025 ein 11. Band als Gemeinschaftswerk der dänischen Autoren Jussi Adler-Olsen, Line Holm und Stine Bolther erschienen, unter der Mitwirkung zweier Autorinnen also, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Ich war daher sehr gespannt.Bereits bei Kapitel 1 ein Schreck. Die Behandlung, die der Abteilungsleiter seiner Untergebenen angedeihen lässt, ist vollkommen daneben und vor allem mehr als unwahrscheinlich. Das ist billigstes Klischee. Nirgendwo bei einer Kommune geht es so zu, auch nicht in Dänemark. Zum Glück blieb diese Sequenz aber (fast) die einzige mit völlig abseitigem Verhalten und übertriebener Darstellung. Der Erzählstil ist sehr ähnlich dem, der die vorherigen Bände der Reihe geprägt hat. Die beiden Autorinnen haben sich da durchaus erfolgreich angepasst. Der Roman ist leicht und spannend zu lesen, Schachtelsätze gibt es keine. Die verschiedenen Perspektiven tragen ebenfalls zur Spannung bei, wobei ich auf den ein oder anderen billigen Cliffhanger durchaus hätte verzichten können, aber die Autoren übertreiben es damit nicht.Die Handlung ist für meinen Geschmack teilweise etwas zu vorhersehbar. Früh zeichnen sich Jakobs Vorhaben ab. Zwar behilft sich das Autorentrio dann damit, dass es weitere Personen mit Geheimnissen umgibt, aber auch deren Inhalt deutet sich jeweils schnell an. Die einzige Ausnahme ist Helenas Vorgeschichte, deren Aufklärung auf sich warten lässt.Richtig gut gelungen finde ich die Idee, Carl als Schriftsteller über seine alten Fälle schreiben und dann z.B. Rose sich bei ihm über Formulierungen zu ihrer Bekleidung beschweren zu lassen. Das hat was richtig Pfiffiges!Etwas ärgerlich hingegen fand ich die vielen Druckfehler meiner Ausgabe (Penguin-Verlag gebunden, 1. Aufl. 2025). Man sollte doch meinen, dass so etwas in Zeiten von KI und ausgeklügelten Rechtschreibprogrammen vermeidbar ist. Und auch den völlig überdramatisierten Showdown am Ende hätte es nicht gebraucht. Der war allzu billig und groschenromanhaft.Im Stil der drei Autoren habe ich, um ehrlich zu sein, keinen Unterschied zu den früheren Bänden feststellen können, mutmaße aber, dass die ein oder andere Idee von den beiden Damen kam, z.B. die neue, halbfranzösische Ermittlerin, die dann jedoch wiederum, ganz der Tradition verpflichtet, wie alle anderen Protagonisten des Sonderdezernats Q eine unangenehme und belastende Vergangenheit mit sich herumträgt. Drei Sterne.