Komm, nur weil wir einmal in eine Sache reingestolpert sind, heißt das nicht, dass du jetzt die große Ermittlerin bist. Denkst du doch auch, dass du bist großer Schriftsteller! (S. 27)
Als Tommi und Svetlana im Radio den Reiseruf nach Frau Gabriele Zorn hören, die in einem blauen Audi unterwegs ist, schießt das Auto gerade an ihnen vorbei. Sie versuchen noch, auf sich aufmerksam zu machen, doch die Fahrerin reagiert panisch, beschleunigt und flieht und gegen dieses Tempo hat Tommis Wohnwagen keine Chance.
Wenig später entdecken sie den Wagen verlassen auf einem Rastplatz. Die herbeigerufene Polizei, ausgerechnet Oberkommissarin Britta Schneider, die sie bereits aus dem Fall des entführten Kindes kennen, geht von einem freiwilligen Verschwinden oder sogar Selbstmord aus. Svetlana jedoch erkennt sofort mehrere Hinweise, die klar dagegen sprechen. Für sie ist die Sache eindeutig: Tommi muss gemeinsam mit ihr die Ermittlungen aufnehmen. Zumal sich Gabrieles Mann bei Tommi meldet und ihn mit der Suche nach ihr beauftragt und ihn damit ungewollt in Lebensgefahr bringt.
Wie schon bei ihrem ersten Abenteuer überzeugt vor allem die Dynamik zwischen den beiden: Tommi lässt sich treiben und verzettelt sich, während Svetlana die Initiative ergreift und ihn vor sich hertreibt. Sie ist eindeutig die Schlauere und Zielstrebigere, während er sich gern in Gedanken verliert, die mit der aktuellen Situation wenig zu tun haben. Vielleicht zwingt sie ihn irgendwann sogar dazu, endlich eine seiner Buchideen umzusetzen. Noch schwankt er zwischen Fantasy, Krimi, True Crime und Romantasy (also Herr der Ringe mit Sex (S. 98), wie seine Rommé-Runde kichernd bemerkt), nicht zuletzt aus Angst, Svetlana könnte die angekündigten spicy Szenen übernehmen.
An Svetlana ist ohnehin eine brillante Ermittlerin verloren gegangen: Sie ist einfühlsam, raffiniert und fast schon zwanghaft hilfsbereit, wenn es um Menschen in Not geht. Zudem verfügt sie über eine Reihe ungewöhnlicher, nicht immer legaler, dafür aber äußerst effektiver Tricks, die nicht nur Tommi beeindrucken. Und tatsächlich scheint ihr Können langsam auf ihn abzufärben er lernt Schlösser zu knacken und bringt zunehmend eigene Ideen ein. Vielleicht ist eine Detektei doch die bessere Zukunftsperspektive als das ewige Scheitern am Schreiben?
Auch der zweite Band von Volker Klüpfer hat mich wieder bestens unterhalten. Die Spannung baut sich ruhig, aber stetig auf und mündet in einem packenden Showdown. Besonders gefallen haben mir erneut Svetlanas verdrehte Sprichwörter, die Situationskomik und die teils herrlich unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Auch die liebgewonnenen Nebenfiguren sind wieder mit dabei: Tommis Vater sorgt für Chaos, die Rommé-Runde im Café Klatsch mischt sich ein, und Herr Kleinschmidt vom Ordnungsamt führt seinen Kleinkrieg gegen Tommis Leben im Camper fort.
Nach den angedeuteten Geständnissen von Svetlana und Tommis Vater bleibt zudem die Hoffnung, im nächsten Band mehr über ihre möglicherweise gemeinsame Vergangenheit zu erfahren.