Aster liebt ihr Leben als freie Piratin auf dem wilden Ozean, auch wenn es ein schweres und entbehrungsreiches ist. Eines Tages jedoch wird ihr Schiff angegriffen und das nicht von rivalisierenden Piraten, sondern von grausamen magischen Wesen: Nightweavern. Asters Bruder wird getötet und der Rest ihrer Familie versklavt, um auf einem Landsitz der Nightweaver zu dienen. Dort allerdings gehen rätselhafte Dinge vor und es wird zusehends schwerer, Freund von Feind zu unterscheiden. Aster jedoch will sich nicht aufhalten lassen, denn sie hat Rache geschworen... Der Auftakt der Nightweaver-Trilogie ist ein klassischer Fall von Marketing-Fail. Design und Klappentext versprechen ein Abenteuer auf hoher See, mit Piraten und Magie, eingepackt in ein Jugendbuch. Wer das erwartet, der wird aber schwer enttäuscht werden. Auf dem Meer befinden wir uns nämlich nur im ersten Kapitel. Danach spielt sich das restliche Buch an Land ab, wo die ach so stolzen Piraten keine Sekunde zögern und vor ihren neuen Lehnsherren katzbuckeln, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Die Autorin versucht dann, behutsam ihr Magiesystem einzuführen, aber auch das gelingt ihr nicht so richtig, was vermutlich auch daran liegt, dass es nie mal eine klare Erklärung gibt. Alles, was der Leser und die Protagonistin über die Welt wissen besteht aus (ziemlich schwammigem und manchmal widersprüchlichem) Hörensagen. Statt uns also ihre Welt vorzustellen, schickt sie Aster und die ganze Familie (und das sind immerhin sieben Geschwister) als Leibeigene aufs Land. Dort werden die Menschen von den Nightweavern beherrscht, aber irgendwie sind sie wohl doch nicht so böse, wie alle denken, jedenfalls nicht alle. Was die Nightweaver im Grunde von den Menschen unterscheidet, ist aber auch nicht so ganz klar, von ein wenig unklar definierter Magie mal abgesehen. Es gibt dann auch noch Schattenmonster, die ihre eigenen Pläne verfolgen und die Weltherrschaft an sich reißen wollen, weshalb die ganze Welt permanent im Krieg ist. Das wäre vielleicht glaubwürdiger gewesen, wenn man mit der Welt im Allgemeinen mehr hätte anfangen können. So wirft die Autorin nur manchmal mit Ortsnamen um sich, ohne dem Leser viel Erklärung anzubieten. Stattdessen folgen wir Aster, die sich als stures und ziemlich bockiges Teenagermädchen herausstellt, durch ihren neuen Alltag als Küchenmagd und ihrer wachsenden Faszination für den ältesten Sohn des Nightweaver-Lords für den sie arbeitet. Selten liest man eine so konfuse, voraussschaubare und belanglose "Liebesgeschichte", die nebenbei, wie sich am Ende herausstellt, auch ganz schön toxisch ist, weil der junge Mann Aster nach Strich und Faden belügt. Darüber verplätschert dann die Handlung, ohne dass so wirklich etwas passiert. Während Hausbedienstete ermordet werden und Schattenmonster eindeutig zu viel Interesse an Aster zeigen, bekommt sie es monatelang kaum auf die Reihe, ihre Rachepläne zu schmieden oder ihre Familie vor eben diesen Monstern zu schützen, weil sie zu beschäftigt damit ist, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Beziehungen zwischen Nightweavern und Menschen ja natürlich verboten sind. An anderen Stellen jedoch rühmt sie sich ihrer Fähigkeiten und verspricht, das ganze Nightweaver-Königshaus persönlich auszulöschen, obwohl sie es noch nicht mal schafft, ein Schattenmonster ins Nirwana zu schicken, wenn es ihr wehrlos vor die Pistole huscht. Ihre Ideale in allen Ehren, aber sie leidet an chronischer Selbstüberschätzung gepaart mit dem Gefühl, die einzige zu sein, die das richtige tut. In die Lage anderer Menschen versetzt sie sich auch eher nicht und ist dann überrascht davon, dass diese auch Gefühle haben. Die Handlung an sich, die Welt mit den ganzen magischen Wesen und Monstern (und einer überraschend großen Anzahl an Fabelwesen, wer rechnet schon damit, dass Piraten und Einhörner in der gleichen Geschichte auftauchen?) war gar nicht mal uninteressant, hatte bloß sehr wenig Bühnenzeit. Daraus folgt, dass man kaum Zusammenhänge verstanden hat und vom großen Ganzen recht wenig mitbekommt. Das bisschen, das dann am Ende enthüllt wird, wirkt eher wie ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll. Aber vermutlich geht das (sehr abstruse) Liebesdrama in den nächsten Bänden genauso munter weiter, sodass die ganze Geschichte weiterhin zusammenhanglos und konfus wirkt. Kurzum: Nightweaver ist leider gar nicht das, was es verspricht. Die Prämisse ist ganz interessant, aber der größte Teil des Buches ist nur ein absurdes Dramafest, das manchmal vorhersehbar und immer absolut chaotisch war. All die merkwürdigen Verstrickungen in halbgare Intrigen, durch die man sich beim Lesen wühlen muss, und die am Ende auch eher wenig Sinn ergeben, bringen nichts als Verwirrung und die Frage, wohin genau diese Geschichte eigentlich möchte. Vielleicht bessert sich das in Band zwei, es bleibt abzuwarten. Wer weiß, ob sich der Optimismus lohnt.