Wenn man sich auf dieses Buch einlassen kann, erwartet einen ein komplexes Zusammenspiel von Hintergrundinformationen und Übungen ...
Wenn man sich auf dieses Buch einlassen kann, erwartet einen ein komplexes Zusammenspiel von Hintergrundinformationen und Übungen. Beides, Verstehen und Üben, solle dann ausreichend sein, einen Therapeuten überflüssig zu machen. So lautet jedenfalls das Versprechen von Steffi, wie sich die Autorin selbst nennt, um die Distanz zur Leserin/zum Leser zu minimieren. An das Duzen hat man sich schnell gewöhnt, genauso an die direkte Ansprache und an das "an die Hand nehmen"; es erleichtert das Sich-darauf-einlassen-können.Es ist allerdings ein hartes Stück Arbeit, will man all die Informationen, die hier reichlich aber gut verständlich gegeben werden, nicht nur verarbeiten sondern auch anwenden, um schließlich das zu verändern, was bisher so störend im Wege herumgelegen hat, ohne dass wir genau zu sagen wussten, warum wir nun in bestimmten Situationen so und so fühlten oder handelten. Als hätten wir es geahnt: Die Ursache unserer Beziehungsprobleme liegen allesamt in der Kindheit "begraben", auch wenn ein wenig genetische Disposition für die eine oder andere charakterliche Eigenschaft verantwortlich sein soll. Allerdings geht es der Autorin nicht um Schuldzuschreibungen, sondern zunächst um das (liebevolle) Annehmen dieser belastenden oder hinderlichen Verhaltensmuster bzw. Glaubenssätze, um sie in einem weiteren Schritt rational zu hinterfragen und diese dann so zu verändern, dass sie ihre Macht nach und nach verlieren. Hierzu bedient sich die Autorin sehr eingängiger Metaphern wie die vom inneren Kind (= Unterbewusstsein), sowie dem Schattenkind (mit seinen Schutzstrategien) und Sonnenkind (mit seinen Schatzstrategien).Bei dieser Auseinandersetzung geht es unter anderem darum, sich der unterschiedlichen Perspektiven bewusst zu werden, um sie als Veränderungshilfe nutzen zu können. Während wir in der Feldperspektive mit den eigenen Gefühlen (oder auch dem Schattenkind) voll identifiziert sind, haben wir uns in der Beobachterperspektive mit unserem Verstand (bzw. dem "Erwachsenen-Ich") verbündet und können uns so bzw. unsere Gegenüber von außen betrachten. Aus der Perspektive meines Gegenübers kann ich mich diesem empathisch nähern und so die möglicherweise verhärteten Fronten lockern und schließlich überwinden. Der geschickte Wechsel zwischen den Perspektiven erweitert demzufolge unsere Handlungsoptionen. In diesem Stil werden wir durch die diversen Beziehungskonflikte gelotst und erfahren so unsere Schwächen aber auch Stärken. Was ein wenig stört sind die oftmals engen Zuschreibungen von Charaktereigenschaften oder Persönlichkeitsmerkmalen. Wenn wir die Menschen mit lauter Etiketten bekleben (schizoid, hysterisch, depressiv etc.), laufen wir Gefahr, hinter all diesen Etiketten den (not-)leidenden aus den Augen bzw. aus den Gefühlen zu verlieren. Auch das ist eine Art von Schutzstrategie; im Sinne dieses Buches sollte auch diese überwunden werden. Wir können nie wissen wie ein Mensch tatsächlich ist, wir können allenfalls feststellen wie er sich uns zeigt und wie wir demzufolge dieses Zeigen interpretieren.(9.12.2017)