Wir sind, was man von uns erzählt
Wir sind, was man von uns erzähltDer namenlose Erzähler begegnet den Geistern seiner Tante, seiner Grossmutter und seiner Urgrossmutter in einem Haus, welches schon lange abgerissen wurde. Sie wollen, dass er ihre Geschichte hört und weitererzählt, damit sie nicht verblassen, sondern das sind, was man über sie erzählt.Die Geschichte der Urgrossmutter beginnt in jener Zeit, als die Welt des Fürsten Salina (Il Gattopardo) zerbröckelt. Noch sind die Adeligen einflussreich, aber mächtig sind andere. Männer, immer Männer, wie ihr Vater, denn die Frauen hatten in Sizilien nichts zu sagen, zumindest in Wirtschaft und Politik. Für ihre Welt interessierten sich die Männer nicht. Eine Welt voller Sagen, Geheimnisse und Gespenster. Unsichtbare Bänder hielten alles zusammen während die Männer glaubten, alles zu bestimmen.Der unbändige Willen der Urgrossmutter einen eigenen Platz zu haben, färbte auf ihre Tochter ab. Diese entflieht der sizilianischen Männerwelt und folgt ihrem Mann nach München, nachdem sie ihm das Versprechen entlockte, dass die gemeinsamen Töchter, den Weg einschlagen dürfen, den sie wählen.Eine dieser Töchter ist die Tante.So entwickelt sich eine lange Abfolge von abwechselnden Erzählungen aus dem Leben der drei Frauen. Wie ein Puzzle entsteht mit der Zeit eine Familiengeschichte.Aussergewöhnlich ist, wie die magische Welt in Sizilien bleibt, während die Ereignisse in München nüchtern sind. Als ob die sizilianische Märchenwelt in Deutschland sich nicht entfalten könnte.Je mehr Austausch zwischen beide Welten entsteht, je mehr die junge Generation die Erzählung prägt, umso mehr verschwindet die Magie in Sizilien.Die Erzählung zieht sich manchmal gar in die Länge. Es ist nicht immer einfach, den Überblick zu behalten.Die Erzählung ist dermassen bunt, abwechslungsreich und überraschend, dass die drei Frauen nicht in Vergessenheit geraten können.Sie sind und bleiben, was der Erzähler überliefert.