Achtung: Dies ist nur ein halbes Buch. Eine endgültige Wertung kann erst nach dem zweiten Band getroffen werden.
Es ist wenig überraschend, dass wenn ein Buch in zwei Teile gespalten wird, der erste Band offen und unspektakulär endet. Immerhin haben viele Bücher einen kleinen erzählerischen Durchhänger, was vor allem für Bücher gilt, die über 1.000 Seiten haben. Und, was viel entscheidender ist, der Autor arbeitet erst im letzten Viertel auf das Finale hin und nicht schon in der Hälfte des Buchs. Aber in Deutschland ist es leider üblich geworden, solch langen Bücher zu teilen, während früher eine gebundene Ausgabe durchaus auch mal über tausend Seiten haben durfte. Und bei den eBooks ist es sowieso egal.Joe Hill scheint es von seinem Vater abgeschaut zu haben, sich Zeit zu nehmen. Zuerst, um die wichtigsten Figuren einzuführen und dann, um eine der Hauptfiguren zu einem Opfer werden zu lassen. Die Opferrolle übernimmt Arthur Oakes, der am renommierten Rackham College in Maine studiert. Durch einen skurrilen Zufall wird er zum Opfer, in dem er durch Erpressung dazu gezwungen wird, eine Straftat zu begehen.Ebenfalls eher zufällig gerät seine Freundesgruppe an ein Buch, mit dem sie einen Drachen beschwören können. Es ist eine sehr merkwürdige Beschwörung, wobei jeder aus der Freundesgruppe das Ritual anders wahrnimmt. Auf jeden Fall erscheint der titelgebende "King Sorrow" auf der Bildfläche, wobei der Drache unterschiedliche Formen annehmen kann. Es scheint zudem eine metaphysische Gestalt zu sein, die aus einem entsprechenden Paralleluniversum gezogen wurde. Tragischerweise stellt die Gruppe, bestehend aus sechs Jugendlichen, fest, dass sie den Deal etwas ungenau formuliert haben. Und Joe Hill wählt den typisch tückischen Vertreter der Gattung, der die Regeln nur halb formuliert, um die jungen Erwachsenen später erpressen zu können.Der Autor spielt so oder so gerne mit "typischen Stereotypen¿. Das gilt nicht nur für den Drachen, sondern auch für die anderen Haupt- und Nebenfiguren des Romans. Auch scheut sich Joe Hill nicht davor, einer Figur im Laufe des Romans einen anderen Anstrich zu geben. So scheint anfangs Arthur Oakes das bemitleidenswerte Opfer zu sein, bis er sich zu Aktionen hinreißen lässt, die den Leser diese Rolle hinterfragen lässt. Auch entschwindet er der Hauptbühne, um anderen Figuren die Hauptrolle zu überlassen.Wenn ich mir den halben Roman so anschaue, dann ist dieser Roman eindeutig eher ein Fantasy- als ein Horror-Roman. Es gibt kaum schaurige Momente in diesem Roman und der Drache wird von Joe Hill sehr "fantasygetreu" ausgemalt. Der Leser sollte also dem Urban-Fantasy ebenso wenig abgeneigt sein wie einer ausufernden und detailgetreuen Schreibweise, damit er Freude an diesem Roman haben kann.