Der Anfang ist ruhig und einladend. Ich begleite die Ich-Erzählerin Ji-won durch ihren Alltag, lerne ihre Familie und Gedanken kennen und begleite sie auf dem Campus. Dabei erlebe ich auch den Alltagsrassismus, dem sie begegnet. Als Amerikanerin wird sie aufgrund ihres koreanischen Aussehens häufig abwertend behandelt. Der gesellschaftskritische Unterton wird dabei von Anfang an deutlich spürbar.
Das Erleben von Ji-wons Normalität wird zu Beginn stark von ihren inneren Monologen dominiert, und gleichzeitig werden immer mehr kleine Details eingeführt, die darauf hindeuten, dass es irgendwann zu einer Eskalation kommen muss, ohne dass klar ist, was genau passieren wird.
Rasch etabliert sich auch der Titel des Buches. Die Augen sind ein zentrales Thema und werden zu einer wiederkehrenden Fixierung auf blaue Augen. Alles beginnt damit, dass Ji-wons Mutter von Fischaugen schwärmt. Für sie ist das eine Delikatesse, und ihre Töchter sollen das ebenfalls probieren. Während sich Ji-wons jüngere Schwester Ji-hyun strikt weigert, gibt Ji-won nach.
Im Detail wird das Verspeisen des Fischauges beschrieben und ab diesem Moment entsteht ein Sog, der mich gleichzeitig abstößt und fesselt.
Das Beste sind die Augen spielt mit spärlich, aber geschickt gesetzten Schockmomenten, die besonders durch die sensorische Beschreibung einiger markanter Szenen Ekel in mir auslöst. Die psychologische Abwärtsspirale von Ji-won fasziniert mich und gleichzeitig werde ich emotional auf Distanz gehalten. Ji-won ist kein Charakter, den ich mag. Im Grunde genommen bringe ich ihr maximal höfliches Interesse entgegen, was daran liegen mag, dass ihre Entwicklung zwar klar konstruiert ist, mir aber eine greifbare Verletzlichkeit fehlt.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Bildsprache ist eindrucksvoll, und ich schätze es sehr, dass die Autorin nicht ständig noch eine Steigerung einbaut. Zwischen den Phasen zunehmender Eskalation gibt es fast ruhige Szenen, die zwar nichts relativieren, mir aber die Gelegenheit bieten, das Gelesene wirken zu lassen.
Die gesellschaftskritischen Themen wie Rassismus, Schönheitsnormen, männliches Verhalten und kulturelle Identität sind stark in die Geschichte eingebettet, aber sie bleiben oft subtil. Vieles erschließt sich erst zwischen den Zeilen, was zwar atmosphärisch wirkt, aber auch dazu führt, dass manche feministischen Aspekte weniger Raum einnehmen, als ich erwartet hatte.
Bis auf Ji-won finde ich alle anderen Figuren recht blass. Es fehlt oftmals an richtiger Charaktertiefe und sie wirken eher funktional. Besonders deutlich wird das bei George. Er ist der neue Freund der Mutter und seine ganze Art ist einfach nur unangenehm. Er wird zu einem Symbol stilisiert statt als Mensch dargestellt und befeuert Ji-wons immer bedenklicher werdende Obsession. Die Mutter selbst bleibt ebenfalls eher schemenhaft, wirkt aber wie jemand, der aus Angst vor dem Alleinsein Demütigungen hinnimmt und die Augen vor der Wahrheit verschließt. Dadurch wird sie, ohne es zu wollen, zu einem stillen Verstärker für Ji-wons Entwicklung.
Die Wendungen überraschen mich zwar häufig, schaffen es aber nicht, mich auf eine falsche Fährte zu führen. Relativ schnell wird mir klar, in welche Richtung sich das Ende bewegt, was meine Freude etwas dämpft.
Das Beste sind die Augen hat sich völlig anders entwickelt, als ich es mir zu Beginn erhofft habe. Es ist kein klassischer Horrorroman. Stattdessen arbeitet der Roman mit verstörenden und ekligen Elementen und setzt auf symbolisch-psychologische Inhalte. Ji-won stößt mich immer mehr ab und obwohl das Ende so kommt, wie ich es erwartet habe, hat mich Das Beste sind die Augen noch eine Weile gedanklich beschäftigt.
Fazit:
Das Beste sind die Augen ist kein Horrorroman, sondern ein Buch, das einen verstörenden Blick in psychologische Abgründe und subtile gesellschaftliche Spannungen ermöglicht. Die Geschichte wirkt weniger über Schockmomente als über Symbolik, Atmosphäre und eine Protagonistin, die mich eher abstößt als berührt.