Eine ungewöhnliche Geschichte zwischen Familiendrama, Female Rage und Horror, die mir im Kopf geblieben ist.
Erster Satz: ¿Umma sagt, die Augen sind das Beste.¿Ich hatte wirklich keine Ahnung, was mich bei diesem Buch erwartet. Es lag lange auf meinem SuB und da es jetzt verfilmt werden soll, dachte ich mir: Warum nicht?! Also bin ich komplett ohne Vorwissen gestartet.Genau deshalb war ich am Anfang auch ziemlich überrascht. Die Geschichte beginnt wie ein Familiendrama. Ji-won lebt mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester zusammen, nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat. Dann kommt George in das Leben ihrer Mutter und bringt noch mehr Unruhe in die Familie. Seine rassistischen Äußerungen und vor allem sein Umgang mit asiatischen Frauen haben mich dabei selbst immer wieder wütend gemacht. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verändert sie sich. Aus dem Familiendrama wird etwas Skurriles, Düsteres und teilweise Ekliges. Mit dieser Richtung hatte ich nicht gerechnet.Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass das Buch als Horrorgeschichte eingeordnet wird. Für mich ist es das auch, aber auf eine andere Art, als ich bei Horror erwartet hätte. Was mir dabei besonders gut gefallen hat, sind die vielen Themen, die in der Geschichte stecken. Female Rage, Body Horror, Rassismus, die Fetischisierung asiatischer Frauen, der Male Gaze, Beziehungen und Abhängigkeiten, Obsessionen und die Frage, wann aus Wut Gewalt wird. Das wirkt für mich nicht wie etwas, das einfach zusätzlich in die Geschichte gepackt wurde. Es gehört zur Handlung und macht sie dadurch für mich noch spannender.Ji-won fand ich unglaublich interessant. Sie ist keine Protagonistin, die man einfach sympathisch finden muss. Sie ist egoistisch, teilweise gemein und ihre Entscheidungen sind moralisch nicht immer leicht einzuordnen. Trotzdem konnte ich ihre Wut verstehen und mich immer wieder mit ihr verbinden. Je mehr man über sie erfährt, desto besser versteht man ihre Entwicklung. Ich musste nicht gutheißen, was sie tut, um mit ihr mitzufühlen.Und dann sind da natürlich die Augen. Sie ziehen sich durch die ganze Geschichte und werden für Ji-won immer mehr zu einer Obsession. Besonders die blauen Augen spielen dabei eine große Rolle. Dazu verschwimmen Realität und Traum immer wieder miteinander. Genau dieses Spiel hat mir richtig gut gefallen.Den Schreibstil mochte ich gerne. Er ist einfach und leicht zu lesen, gleichzeitig bildhaft. Manchmal fast zu bildhaft, denn einige Szenen rund um die Augen sind schon ziemlich detailliert beschrieben. Da wurde es auch für mich mal eklig und bei ein paar Stellen habe ich etwas schneller gelesen. So extrem, dass es mich gestört hätte, war es aber nicht.Die kurzen Kapitel haben für einen richtig guten Lesefluss gesorgt und auch der Aufbau hat sehr gut funktioniert. Man startet bei einem Familiendrama und versteht erst nach und nach, wohin die Geschichte eigentlich führt. Dadurch wollte ich immer wissen, was als Nächstes passiert. Und dann kam das Ende. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Ich fand die Entwicklung richtig cool und vor allem sehr passend zu dem, was sich vorher aufgebaut hat.Die Mischung aus Familiendrama, Female Rage, gesellschaftlichen Themen und Horror hat mir gut gefallen. Es ist definitiv eine ungewöhnliche Geschichte und anders, als ich sie erwartet hatte. Genau deshalb ist sie mir im Kopf geblieben.