Der zwölfte Roman von Nele Neuhaus rund um das Ermittlerduo Bodenstein und Sander entführt uns in die moderne Welt, in der die KI zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wobei die Auseinandersetzung mit der KI für mich hätte kritischer ausfallen können. Perfide ausgeführte Morde im Umfeld des Unternehmens von Patrick Brinkhoff beschäftigen das K11 und die Hintergründe für die Taten erschließen sich nur schwer. In Pias Privatleben gibt es einige Veränderungen, die man vielleicht nicht so erwartet hat, aber die zur Protagonistin passen.
Sprachlich ist das Buch gewohnt gut geschrieben und die Idee für den Krimimalfall interessant erdacht. Die Beziehungen der Personen innerhalb des Unternehmens sind zunächst undurchschaubar, es liegen Schatten über den Beziehungen untereinander, nicht alles ist so harmonisch, wie es den Ermittlern zunächst weisgemacht wird. Man muss an dem Buch dranbleiben, weil man sonst leicht den Faden verliert.
Mittlerweile ist man ja gewohnt, dass in dieser Reihe viele Protagonisten eine Rolle spielen. Dennoch finde ich, dass ein paar Akteure weniger dem Roman gutgetan hätten. Von Zeit zu Zeit musste ich tatsächlich zurückblättern, um den Anschluss wieder zu finden. Von daher sind sowohl die Liste der Hauptpersonen als auch der Familienstammbaum hilfreich. Nicht alle Charaktere wirkten auf mich authentisch. Meiner Meinung nach hätte man das Buch straffen können, viele Nebenschauplätze lenken von der eigentlichen Handlung ab, wie zum Beispiel die Einbindung des alten Freundes Michael Gerlach, und führen nicht weiter. Auch habe ich streckenweise den Eindruck gewonnen, dass vieles wie in einer Zeitschleife nochmals erzählt wird. Die Person, die die Morde zu verantworten hat, gerät nicht gleich zu Beginn in den Ermittlungsfokus, zeichnet sich gegen Ende aber deutlich ab. Den Schluss finde ich einigermaßen originell.
Nicht das beste Buch aus der Reihe, aber durchaus empfehlenswert für Fans von Bodenstein und Sander. (3,5 von 5 Sternen, aufgerundet auf 4)