Die Ich-Erzählerin Muna Abbelius ist gefangen in einem problematischen Leben mit der Alkohol abhängigen Mutter, Schauspielerin in der DDR, und dem etwas älteren Magnus Otto, Französischlehrer und Fotograf, den sie zufällig mit 17 Jahren kennenlernt. Selbst nach einem zufälligen Treffen nach 7 Jahren mit Mauerfall und ihrem erfolgreichen Literaturstudium in verschiedenen Städten klammert sie sich vehement an Magnus. Sie spielt dabei bewusst mit ihrer überzeugenden Weiblichkeit. Wie ihr eigenes Leben unter seiner zunehmenden seelischen und physischen Gewalt zerfällt, wird im zweiten Teil beklemmend beschrieben. Erst mit ihren 40 Jahren vermag sie sich aus dieser beklemmenden Beziehung zu lösen, obwohl sie schon längst die Toxizität des Mannes durchschaut. Neben der Beziehung zur schauspielernden, alkoholabhängigen Mutter wird von Munas Literaturstudium, den Stipendien, ihren Affären, abendlichen Aufführungen verschiedenster Kategorie, ihren schlecht bezahlten Jobs, eher flüchtigen Freunden sowie Mitbewohnern in ihren diversen Unterkünften langatmig, teils in verwirrender Anzahl berichtet. Wie der intellektuelle Betrieb an weltweiten Unis, Instituten etc. mit Zeitverträgen funktioniert, wird provokant dargestellt.
Wie eine gut aussehende, intelligente Frau mit vielen Talenten über 3 Jahrzehnte so wenig Selbstbewusstsein entwickelt, geplagt von endlosen Minderwertigkeitskomplexen, möchte man nicht wahrhaben. Das Gegenteil von Partnerschaft oder Gleichberechtigung wird beschrieben: Muna obzessiv, erdrückend liebend bis zur Selbstaufgabe, bis zum Zusammenbruch, dagegen Magnus rücksichtslos, jedoch erfolglos drastisch abweisend. Eine vernünftige Erklärung für Munas vergebliche Suche nach einem passenden Heimathafen mit Magnus als festem. sie liebendem Anker mag vielleicht in ihrer problematischen Kindheit in der DDR zu finden sein. Ein etwas ungewöhnlicher Schreibstil.
Auf jeden Fall ist es kein Wohlfühlroman, wohl regt er zum Diskutieren an. 3,5