"Alte Pfade" von Alexa Hennig von Lange ist als Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen beim Dumont Verlag erschienen und umfasst 240 Seiten.
Soeben kommt Liliane aus ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurück, da bekommt sie einen Anruf aus einem schottischen Krankenhaus - ihr 89jähriger Vater sei dort mit einem Herzinfarkt eingeliefert worden. Zunächst glaubt Liliane an eine Verwechslung. Wie soll ihr Vater ganz allein nach Schottland gekommen sein, und was hatte er dort vor? Liliane macht sich umgehend auf den Weg nach Schottland und es stellt sich heraus, dass ihr Vater ganz allein in den Highlands unterwegs war. Und auch jetzt will er nur noch eines: Zur Nordspitze Schottlands wandern, was er bereits als Student einmal getan hatte. Wider jede Vernunft machen sich Vater und Tochter gemeinsam auf den Weg, und das wird eine ausgesprochen erkenntnisreiche Wanderung...
Bisher hatte ich noch kein Buch der Autorin gelesen, bin aber wirklich sehr angetan von ihrem Schreibstil, der so intensiv und voller Wärme ist. Sie erzeugt eine nahbare Atmosphäre und hat ihre Charaktere zwar nicht durchgängig sympathisch, aber so voller Facetten und Eigenarten erschaffen, dass sie absolut authentisch erscheinen und ich permanent wissen wollte, was Vater und Tochter übereinander erfahren auf ihrem gemeinsamen Trip.
Hier wird eine Familiengeschichte, in der sich sicherlich ganz viele Leserinnen und Leser ein gutes Stück weit wiederfinden, auf ungewöhnliche Weise, dafür ungemein intensiv, aufgearbeitet. Liliane lernt ihren Vater von einer ganz anderen Seite kennen, er lässt sie nah an sich heran, näher als je zuvor und auf diese Weise versteht Liliane auch, warum sie selbst so wurde, wie sie ist.
Der Vater, Liliane und ihre Geschwister haben den Tod ihrer Ehefrau bzw. Mutter auf ganz unterscheidliche Weise erlebt und verarbeitet und so hat es Jede und Jeden auch unterschiedlich geprägt.
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und es hat mich stellenweise doch sehr nachdenklich gemacht. Wieso ich dem Ganzen "nur" 4 von 5 Sternen gebe? Weil ich es extrem unrealistisch finde, dass eine 89Jähriger zuerst mutterseelenallein nach Schottland reist und dann kurz nach einem Herzinfarkt eine mehrtägige Wanderung in den schottischen Highlands unternimmt...