Ein gutes Debüt, dem es bloß etwas an Tiefe fehlt
Die Idee bietet so viel Potenzial, ein spannendes, fesselndes und emotionales Buch zu schreiben, aber das ist hier einfach nicht vollends gelungen.Das Buch lässt sich leicht lesen und sorgt definitiv stellenweise für Spannung, allerdings hab ich unter den gegebenen Umständen einfach mehr erwartet.Die Protagonistin, Liz, ist gut ausgearbeitet. Man erfährt genug über sie, um sich ein Bild ihrer aktuellen Lebenslage zu verschaffen und auch, wie es in ihr drin aussehen muss. Sie ist ein von der Einsamkeit gezeichnetes Mädchen, dem jegliche Hoffnung schwindet. Definitiv nachvollziehbar. In regelmäßigen Abständen springt man in die Vergangenheit, in die Zeit vor dem ersten Sturm und lernt, wie sie in dieser Situation gelandet ist. Diese Zeitlinie hält auch Potenzial für tiefe Emotionalität bereit, allerdings wurde auch das nur angerissen. In einem dystopischen Buch erwarte ich einfach mehr Dunkelheit, mehr Chaos, mehr Bildgewalt. Der Sturm hätte das definitiv zugelassen, stattdessen wird er eher zum Randprodukt. Dabei basiert darauf doch die ganze Story.Die Geschichte zwischen Maeve und Liz sorgt in dieser aussichtslosen Situation für Momente der Hoffnung. Vertrauen, Zusammenhalt, als auch Liebe, alles Dinge, die die beiden lange nicht erfahren haben. So helfen sie einander und geben sich gegenseitig Halt. Sicherlich entwickeln sich ihre Gefühle ziemlich schnell, in der Situation, in der sie sich befinden, einem Wettlauf gegen die Zeit, kann man sich aber auch schlecht Zeit lassen. Daher ist es nicht überstürzt, trotzdem bleiben durch die Schnelllebigkeit Momente der Zärtlichkeit und der großen Gefühle auf der Strecke. Die Beziehung der beiden fühlt sich dennoch nicht erzwungen oder unnatürlich an. Die Dynamik zwischen den beiden passt sehr zu ihrem Alter. Sie treffen nicht immer die richtigen Entscheidungen, schaffen es nicht ordentlich zu kommunizieren und verletzen einander unbeabsichtigt. Trotzdem schaffen sie es am Ende immer wieder, füreinander da zu sein.Die komplette Geschichte wird konstant von der nahenden Gefahr eines neuen Sturms überschattet. Und am Ende gibt mir das Buch auch, was ich mir gerne schon eher gewünscht hätte: Spannung und Dystopie. In einer so ungewissen Welt wie dieser ist es nicht leicht, ein würdiges Ende zu finden, doch ich finde, dass das hier gelungen ist. Es legt sich nicht fest, weckt aber Hoffnung und gibt jedem die Möglichkeit, seine eigenen Gedanken weiterzuspinnen.Wer nach einem mitreißenden Abenteuer sucht, ist hier definitiv an der falschen Adresse. Doch für leichte Lesestunden ist diese Geschichte gut geeignet, vor allem wenn man mal nach etwas Anderem sucht.