IS THAT ALL THERE IS
Zunächst fällt es ihren Arbeitskollegen auf, dass Laura Clark fehlt. In der Firma läuft es gleich am ersten Tag ihrer Abwesenheit nicht so rund! Laura hat dort normalerweise alle Fäden in der Hand, denn sie erledigt so gut wie alles in ihrer Abteilung. Auch ihre kleine Familie, der mittlerweile erfolglose Golfprofi Mark, samt verwöhnter Tochter Siam, stehen plötzlich ohne Abendessen, samt Betreuung des Familienhundes Rufus, alleine da. Niemand kümmert sich plötzlich um die anspruchsvolle Grandma Carol! Auch Lauras beste Freundin Ruth hat niemanden mehr, der ihr gut zureden und mit Ratschlägen bei dem unerwarteten Zwillings-Nachwuchs zur Hand geht. Laura ist spurlos verschwunden.
Wo zum Teufel steckt Laura?
In dem Roman LAURA IST DANN MAL WEG von Autorin Helen Russel wird schnell klar, wer Laura ist, sie ist das Mädchen für alles und jeden! Ob in der Familie, der Arbeit oder im Freundeskreis, Laura kümmert sich um jeden und um alles, was zu erledigen ist. Laura ist die Frau, die super funktioniert und nicht gesehen wird. Sie wird so gut wie gar nicht beachtet, nicht mal eine genaue Beschreibung können die Leute über sie abgeben, dabei kümmert sich die unsichtbare gute Fee um alle. Niemand weiß etwas über ihre Wünsche, Sorgen oder Vorlieben, nicht einmal ihr Mann, ihre Mutter oder ihre Tochter.
Es könnte schrecklich deprimierend sein, doch das Buch ist dabei unglaublich amüsant gehalten. Die Autorin versteht es hervorragend, durch kleine Details und Äußerungen der beteiligten Personen die Situation bis auf die Spitze zu treiben. Eine kleine Vermutung regt sich, ab der Hälfte des Buches so langsam, wohin sich die ganze Sache bewegen könnte.
Die sehr abwechslungsreiche und lebendige Handlung wird wunderbar bildhaft erzählt, man riecht förmlich die ungewaschene Wäsche, spürt die Hilflosigkeit der Zurückgebliebenen und durch geschickt gestreute Postkarten, Memos, Briefe, Mails und Chatverläufe bekommt man auch einen guten Einblick in Lauras Gedankenwelt und Vergangenheit.
Ein paar Dinge musste ich googeln, um den Witz dahinter zu verstehen, da der Roman in England spielt, ich sag nur Yop oder Curly Wurly. Es gibt reichlich Stellen zum Schmunzeln und Nachdenken, teils habe ich mir schon Sorgen um Laura gemacht, denn es bleibt spannend bis zuletzt! Das Ende habe ich dann sehr genossen, fand es perfekt!
Noch ein schönes Zitat:
KUCHEN: BESSER ALS KALTWASSERSCHWIMMEN.
Mein Fazit:
Das Buch hat mich großartig unterhalten, bei all dem Sarkasmus und Witz, ist es auch tiefgründig und bewegend. Als Resümier steht letztlich eine wichtige Botschaft, kein sorgloses und selbstverständliches, sondern ein interessiertes und achtsames Miteinander in allen Bereichen zu pflegen!