. Suchst du nach einem Roman voller Begehren, Liebe, Aufopferung und erbitterter Machtkämpfe,
verwoben zu einem düsteren Geflecht aus Geheimnissen und Brutalität?
Nach einer Geschichte, getragen von einem opulenten, poetischen und atmosphärischen Schreibstil, der beinahe hypnotisch wirkt?
Dann solltest du An Education in Malice lesen
eine faszinierende Neuinterpretation von Sheridan Le Fanus Carmilla,
die dich in eine verborgene Welt der Vampire entführt, in der Begehren und Grauen untrennbar miteinander verwoben sind.
5/5
. Aber worum geht es genau
Tief in den vergessenen Hügeln von Massachusetts erhebt sich das Saint Perpetuas College. Abgeschieden und uralt ist es kein Ort für schüchterne junge Frauen. Hier sind Geheimnisse die wichtigste Währung, Ehrgeiz ist der Lebensnerv der Gemeinschaft und seltsame Zeremonien heißen die neuen Studentinnen in ihren Reihen willkommen.
An ihrem ersten Studientag gerät Laura Sheridan in eine erbitterte akademische Rivalität mit der schönen und geheimnisvollen Carmilla. Gemeinsam geraten sie in den Bann ihrer anspruchsvollen Professorin für Dichtung, De Lafontaine, die ihrerseits von einer dunklen Besessenheit für Carmilla getrieben wird.
. In An Education in Malice wechselt die Handlung zwischen den Perspektiven von Laura und Carmilla!
Zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich gerade deshalb unaufhaltsam zueinander hingezogen fühlen.
Lauras und Carmillas Beziehung lässt sich eigentlich mit einem einzigen Satz beschreiben
Gegensätze ziehen sich an.
Da ich nicht zu viel vorwegnehmen möchte, beschränke ich mich darauf, wie beeindruckt ich von der Entwicklung der Figuren war. Laura und Carmilla sind faszinierende junge Frauen, die im Verlauf der Geschichte Schritt für Schritt zu sich selbst finden und dabei auf berührende Weise über sich hinauswachsen.
. Besonders beeindruckt haben mich dabei Lauras innere Monologe. Ihre Zweifel, die Vielschichtigkeit ihrer Gefühle und ihre Suche nach dem eigenen Platz in der Welt wirken zutiefst authentisch und verleihen ihrer Entwicklung eine berührende Nachvollziehbarkeit. Umso bewegender ist es, sie auf diesem Weg zu begleiten.
Doch auch Carmillas Wandel hat mich gleichermaßen fasziniert.
So entfaltet sich zwischen den Beiden ein fesselndes Wechselspiel aus Anziehung und Distanz, Sehnsucht und Zurückweisung, Leidenschaft und Angst.
. Es war wunderschön mitzuerleben, wie ihre Beziehung beide verändert, jede auf ihre ganz eigene Weise und doch untrennbar miteinander verbunden.
. Neben den beiden Hauptfiguren schenkt uns Gibson eine kleine, aber hervorragend ausgearbeitete Gruppe an Nebenfiguren. Die anderen Schülerinnen verleihen der Akademie Leben und machen sie zu weit mehr als nur einer bloßen Kulisse.
. Die Figur, die jedoch den größten Eindruck hinterlässt und zugleich die geheimnisvollste bleibt, ist Professorin De Lafontaine, die Dozentin für Poesie. Anfangs konnte ich sie stellenweise überhaupt nicht ausstehen. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verändert sich dieser Eindruck und ohne zu viel vorwegzunehmen
Es könnte euch ganz genauso gehen.
Ihre Geschichte ist untrennbar mit allem verbunden, was in diesem Roman geschieht. Einige Szenen trafen mich dabei mit einer Wucht, auf die ich in keiner Weise vorbereitet war. Ich habe sie schlichtweg nicht kommen sehen.
. Es fällt mir unglaublich schwer, nicht zu viel zu verraten, denn dieses Buch lebt von seinen unerwarteten Wendungen. Immer wieder hat es mich überrascht und mich regelrecht an die Seiten gefesselt. Was ich jedoch ohne Bedenken sagen kann
An Education in Malice ist erfüllt von Verlangen, akademischer Rivalität und einer dichten, beinahe greifbaren Gothic-Atmosphäre. Gleichzeitig erzählt der Roman von den Gefahren blinder Hingabe und den zerstörerischen Folgen unausgeglichener Machtverhältnisse.
. Am besten begegnet man dieser Geschichte völlig unvoreingenommen, auch wenn das leichter gesagt als getan ist, wenn man das Original bereits kennt.
. Diese Neuinterpretation von Carmilla von Sheridan Le Fanu war völlig anders, als ich erwartet hatte und genau deshalb hat sie mich so begeistert. Man erkennt die Wurzeln der Vorlage jederzeit wieder, doch Gibson erzählt daraus etwas vollkommen Eigenständiges. Ihre Interpretation verbindet eine Brutalität und eine leidenschaftliche Romantik, die das Original in dieser Form nicht besitzt, und erschafft daraus etwas Neues, ohne dessen Seele zu verlieren.
. Ich wünschte beinahe, ich hätte das Original nicht gelesen, denn während des Lesens stellte ich ununterbrochen die wildesten Theorien auf, wie sich die Handlung entwickeln könnte. Trotzdem gelang es Gibson immer wieder, mich zu überraschen.
. Was zunächst wie eine atmosphärische Dark-Academia-Geschichte voller Konkurrenz, Begierde und unterschwelliger Spannung beginnt, entwickelt sich schon bald zu etwas weitaus Düstererem.
. Auch Gibsons Schreibstil trägt entscheidend dazu bei. Er besitzt eine beinahe hypnotische Qualität, die die Übersetzung eindrucksvoll übernimmt. Man möchte unbedingt wissen, wie alles endet, gleichzeitig aber jede einzelne Zeile auskosten. Das Buch liest sich unglaublich flüssig, und spätestens nach der unvermeidlichen Wendung war es für mich nahezu unmöglich, es noch aus der Hand zu legen.
. Alles in allem lässt sich sagen
Gibson erschafft einen Roman, der seine Leserinnen und Leser vom ersten Moment an umhüllt. Ihr poetischer, bildgewaltiger Schreibstil zieht einen mühelos in diese düstere Welt hinein und lässt einen erst auf der letzten Seite wieder los.
. An Education in Malice ist opulent, sinnlich und atmosphärisch, voller Spannung und überraschender Wendungen. Besonders beeindruckend fand ich, wie viel Geschichte und Charakterentwicklung Gibson auf vergleichsweise wenigen Seiten unterbringt, ohne dass sich jemals etwas gehetzt oder unausgereift anfühlt.
. Wenn ihr Geschichten voller queerer Sehnsucht, düsterer Gothic-Atmosphäre, überraschender Wendungen und komplexer weiblicher Figuren liebt, kann ich euch dieses Buch nur von Herzen empfehlen!